Deutschland: Anteil der Spitzensteuerzahler nimmt weiter zu

Deutschland: Anteil der Spitzensteuerzahler nimmt weiter zu
Mehr Spitzensteuerzahler in Deutschland

Die Einkommensteuerdaten für 2022 zeigen eine wachsende Konzentration des Steueraufkommens bei höheren Einkommen in Deutschland. Rund 3,2 Millionen Steuerpflichtige, das sind 7,4 % aller unbeschränkt Steuerpflichtigen mit zu versteuerndem Einkommen, zahlten den Spitzensteuersatz von 42 % und trugen 49 % zum gesamten Einkommensteueraufkommen bei.

Höhepunkte

  • 2022 lag die Schwelle für den Spitzensteuersatz von 42 % bei 58.597 Euro Jahreseinkommen, bei zusammen Veranlagten bei 117.194 Euro.
  • Die Gruppe der Spitzensteuerzahler erzielte 621 Milliarden Euro oder knapp 30 % der Gesamteinkünfte und zahlte 49 % des Einkommensteueraufkommens.
  • Alle Steuerpflichtigen in Deutschland erzielten 2022 Einkünfte von 2,1 Billionen Euro, 6,5 % mehr als 2021; das Steueraufkommen stieg um 5,2 % auf 376 Milliarden Euro.

Einkommensgrenzen und Steuerlast 2022

Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, lag die Grenze, ab der 2022 der Spitzensteuersatz galt, bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 58 597 Euro, bei gemeinsam Veranlagten bei 117 194 Euro. Der Satz von 42 % wurde dabei nur auf den Teil des Einkommens angewendet, der über dieser Schwelle lag, nicht auf das gesamte Einkommen.

Auf die Gruppe der Spitzensteuerzahler entfielen 621 Milliarden Euro, also knapp 30 % der Gesamteinkünfte. Ihre durchschnittlichen Jahreseinkünfte lagen bei 196 000 Euro.

Innerhalb dieser Gruppe erzielten rund 141 000 Steuerpflichtige Jahreseinkommen von mehr als 277 826 Euro, bei gemeinsam Veranlagten mehr als 555 652 Euro. Ab dieser Grenze griff 2022 der Höchststeuersatz von 45 %, die sogenannte Reichensteuer. Diese 0,3 % aller unbeschränkt Steuerpflichtigen vereinten 7,6 % aller Einkünfte und 15,3 % der gesamten Steuersumme auf sich.

Langfristiger Trend und Bedeutung für das Steueraufkommen

Im Vergleich zu 2012 stieg der Anteil der Steuerpflichtigen mit Spitzensteuersatz von 5,4 % auf 7,4 %. Seit 2016 wird der Steuertarif auf Basis eines Progressionsberichts regelmäßig an die Inflation angepasst, wodurch die Einkommensschwellen für den Spitzensteuersatz jährlich angehoben werden.

Dennoch nahm der Anteil der Betroffenen über das Jahrzehnt zu, auch wenn sich der Anstieg zuletzt verlangsamte, unter anderem nach einem Rückgang zu Beginn der Corona-Pandemie. 2022 entfielen 49 % des gesamten Einkommensteueraufkommens auf diese Gruppe, nach 42 % im Jahr 2012.

Insgesamt erzielten alle Steuerpflichtigen 2022 zusammen Einkünfte von 2,1 Billionen Euro, 6,5 % mehr als im Vorjahr. Die von Arbeitgebern einbehaltene Lohnsteuer sowie die von den Finanzbehörden festgesetzte Einkommensteuer beliefen sich auf 376 Milliarden Euro, ein Plus von 5,2 % gegenüber 2021.

Für die Einordnung verweist Destatis darauf, dass das zu versteuernde Einkommen nicht dem Bruttoeinkommen entspricht. Freibeträge, Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen werden zuvor abgezogen, zudem ist der Grenzsteuersatz vom individuellen Durchschnittsteuersatz zu unterscheiden.

In unserem früheren Artikel zur geplanten Aussetzung der automatischen Diätenerhöhung im Bundestag haben wir erläutert, dass CDU/CSU und SPD die turnusmäßige Anhebung zum 1. Juli 2024 angesichts der angespannten Haushalts- und Wirtschaftslage stoppen wollen. Ohne den Eingriff wären die monatlichen Bezüge der Abgeordneten spürbar gestiegen; parteiübergreifend gab es dafür Zustimmung und auch in Umfragen breite Unterstützung in der Bevölkerung. Damit liefert der Vorgang zusätzlichen Kontext für die aktuelle Debatte darüber, wie Einkommen und staatliche Belastungen verteilt werden.

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