Destatis treibt Reform der Unternehmensstatistik zur Entlastung der Wirtschaft voran

Destatis treibt Reform der Unternehmensstatistik zur Entlastung der Wirtschaft voran
Reform für Unternehmen

Die Statistischen Ämter von Bund und Ländern planen mit dem neuen System der Unternehmensstatistiken eine tiefgreifende Neuordnung der Datenerhebung für Unternehmen in Deutschland. Das Vorhaben soll 26 Einzelstatistiken auf drei Erhebungen bündeln, die Datenqualität erhöhen und ab 2027 erste spürbare Entlastungen bei Meldepflichten bringen.

Höhepunkte

  • Destatis testet ab 2026 mit über 100 Unternehmen ein neues Unternehmensstatistiksystem, das 26 Einzelstatistiken auf drei zentralisiert und Bürokratie abbauen soll.
  • Ein Expertengremium unter Leitung von Walter Radermacher begleitet die Feinkonzeption, bewertet Nutzerbedarfe und prüft effizientere Nutzung betrieblicher Rechnungswesendaten.
  • Bereits ab 2027 entlastet Destatis die Wirtschaft, indem nationale Meldepflichten wie die jährliche Erhebung im Ausbaugewerbe für insbesondere kleine Betriebe gestrichen werden.

Reformplan mit Tests ab 2026

Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, soll das Konzept auf Basis des ersten Unternehmensstatistikreformgesetzes noch im Jahr 2026 mit mehr als 100 kooperierenden Unternehmen erprobt werden. Begleitet wird das Projekt von einem Expertengremium, das am 8. und 9. Juni 2026 erstmals tagt und Vertreter aus Wirtschaftsforschung, Bundesbank, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Bundesverband der Deutschen Industrie sowie aus großen Unternehmen zusammenbringt.

Destatis-Präsidentin Ruth Brand sieht in dem neuen System erhebliches Potenzial, die Datenqualität zu steigern und zugleich Unternehmen zu entlasten. Nach ihren Angaben modernisiert die amtliche Statistik damit ein über Jahrzehnte gewachsenes und in Teilen inkohärentes System, um die Datenerhebung effizienter und digitaler zu machen und den Bürokratieaufwand deutlich zu senken.

Künftig sollen aus bislang 26 Einzelstatistiken nur noch drei Erhebungen werden, eine jährliche Strukturstatistik für alle Wirtschaftsbereiche, eine bereichsübergreifende Konjunkturstatistik mit Monatsdaten zu Umsatz, Produktion und Aufträgen sowie eine nur noch jährliche detaillierte Produktionsstatistik. Unternehmen sollen dabei durch automatisierte Abrufe von Unternehmensdaten, digitalisierte Prozesse und die stärkere Nutzung vorhandener Verwaltungsdaten entlastet werden; zugleich soll das Once-Only-Prinzip doppelte Erhebungen einzelner Merkmale vermeiden.

Folgen für Unternehmen und Statistiksystem

Das Expertengremium soll die Feinkonzeption und Implementierung wissenschaftlich begleiten und unter dem Vorsitz des früheren Destatis-Präsidenten und Eurostat-Generaldirektors Walter Radermacher arbeiten. Zu seinen Aufgaben gehören die Einschätzung des Nutzerbedarfs, die Beratung über Maßnahmen zum Abbau von Berichtspflichten, die Bewertung der Testerhebungen und die Prüfung, wie Daten aus dem betrieblichen Rechnungswesen effizienter genutzt werden können.

Darüber hinaus soll das Gremium die Flexibilität des künftigen Systems für neue Informationsbedarfe bewerten und Vorschläge für eine grundlegende Neugestaltung der Rechtsgrundlagen vorlegen. Nach den vorliegenden Planungen werden in den Jahren 2026 und 2027 freiwillige Testerhebungen durchgeführt; das neue System soll dann stufenweise ab 2031 greifen.

Unabhängig von der grundlegenden Reform soll die Wirtschaft bereits ab 2027 durch kurzfristig umsetzbare Streichungen nationaler statistischer Berichtspflichten entlastet werden. So wird etwa die jährliche Erhebung im Ausbaugewerbe und bei Bauträgern eingestellt, was insbesondere kleinere Betriebe von Meldepflichten befreit.

In unserem früheren Bericht über offene Verwaltungsdaten in Deutschland haben wir erläutert, wie Bundesbehörden ihr Open-Data-Angebot ausbauen und maschinenlesbare Datensätze zentral über GovData zugänglich machen. Wir haben zudem Beispiele wie die Vergabestatistik des Statistischen Bundesamts und die Transparenzplattform SMARD vorgestellt und gezeigt, wie solche standardisierten Daten Transparenz erhöhen und digitale Anwendungen fördern.

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