EU plant Kürzung russischer Alaska-Seelachs-Importe, Risiken für deutsche Tiefkühlfischindustrie steigen

EU plant Kürzung russischer Alaska-Seelachs-Importe, Risiken für deutsche Tiefkühlfischindustrie steigen
Risiko für Tiefkühlfisch

Die Europäische Union verschärft ihre wirtschaftlichen Maßnahmen gegen Russland und nimmt dabei auch Alaska-Seelachs in den Blick. Die geplanten Beschränkungen könnten die Versorgung mit Fischstäbchen und anderen Tiefkühlfischprodukten in Deutschland und dem übrigen EU-Markt verknappen und verteuern.

Höhepunkte

  • Die EU plant mit dem 21. Sanktionspaket, russische Alaska-Seelachs-Importe Schritt für Schritt zu beschränken, ab Juli und bis 2028 vollständig zu verbieten.
  • Deutschland importierte 2023 rund 93.500 Tonnen russische Alaska-Seelachs-Filets im Wert von etwa 228 Millionen Euro; russischer Marktanteil stieg auf 45 Prozent.
  • Das Thünen-Institut warnt vor deutlichen Auswirkungen auf Angebot, Preise und Jobs, da alternative Lieferquellen wie US-Produktion langfristig gebunden sind.

Geplante Importkürzungen im neuen Sanktionspaket

Wie BILD.de berichtet, will die EU-Kommission die Einfuhr von Alaska-Seelachs aus Russland mit dem 21. Sanktionspaket schrittweise begrenzen. Direkt nach Inkrafttreten soll das Importvolumen auf den Durchschnitt der Jahre 2023 bis 2025 eingefroren werden, nach einem Jahr auf 75 Prozent und nach zwei Jahren auf 50 Prozent sinken.

Mit dem Schritt zielt die EU darauf ab, Russlands Exporterlöse zu senken und damit die Finanzierung des Kriegs gegen die Ukraine weiter zu erschweren. Diplomaten zufolge soll das Paket spätestens im Juli beschlossen werden; zusätzlich ist ab 2028 ein vollständiges Importverbot für russischen Kabeljau vorgesehen.

Belastung für deutsche Verarbeiter und den EU-Markt

Für Deutschland ist die Maßnahme besonders relevant, weil das Land innerhalb der EU der größte Abnehmer für russisches Alaska-Seelachs-Filet ist und zugleich über große Verarbeitungsstandorte für Fischstäbchen verfügt. Im vergangenen Jahr importierte Deutschland 93.500 Tonnen gefrorene Filets im Wert von rund 228 Millionen Euro, während der Marktanteil russischer Ware zwischen 2020 und 2024 von 15 auf 45 Prozent stieg.

Das Thünen-Institut für Ostsee-Fischerei warnt, die geplanten Einschnitte könnten Angebot, Preise und Beschäftigung in der deutschen Fischindustrie deutlich beeinflussen. Ersatz durch andere Arten wie Pangasius gilt in der Branche nur als begrenzt möglich, weil neben Russland vor allem die U.S. große Mengen produziert, dortige Lieferungen aber langfristig gebunden sind.

Nach Einschätzung des Instituts könnte ein dauerhafter Ausfall russischer Lieferungen die Versorgung des europäischen Marktes mit günstigen Fischprodukten strukturell verändern. In diesem Fall würde die Verarbeitung stärker nach Fernost verlagert, während Fischstäbchen, Schlemmerfilets und ähnliche Produkte im europäischen Einzelhandel knapper und teurer werden könnten.

In unserem früheren Bericht über die geplanten EU-Importkürzungen für russischen Alaska-Seelachs haben wir erläutert, dass die EU-Kommission im 21. Sanktionspaket eine schrittweise Reduzierung der Einfuhren bis auf 50% innerhalb von zwei Jahren vorsieht. Wir haben zudem aufgezeigt, warum Deutschland als größter EU-Abnehmer besonders betroffen wäre und das Thünen-Institut vor spürbaren Auswirkungen auf Angebot, Preise und Beschäftigung in der deutschen Fischverarbeitung warnt.

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