Öl legt zu, nachdem neue US-Iran-Gespräche abgesagt wurden
Die Ölpreise stiegen am Freitag in einem volatilen Handel, nachdem Folgegespräche zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran verschoben wurden, was die Hoffnung dämpfte, dass ein vorübergehender Waffenstillstand schnell in ein dauerhaftes Friedensabkommen übergehen könnte. Die Entwicklung unterstrich, wie sehr der jüngste Ausverkauf am Ölmarkt noch immer davon abhängt, ob der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zur Normalität zurückkehrt.
Höhepunkte
- Brent stieg auf 80,13 $, während WTI auf 76,24 $ kletterte.
- Folgegespräche zwischen den USA und dem Iran in der Schweiz wurden verschoben.
- Tanker mit mehr als 12 Millionen Barrel durchquerten kürzlich die Straße von Hormus.
- Die OPEC wies Prognosen über ein künftiges Überangebot am Ölmarkt zurück.
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Verschiebung der Gespräche lässt Versorgungsrisiken wieder aufleben
Brent-Rohöl-Futures für August stiegen um 1,13 % auf 80,13 $ pro Barrel, während die US-Futures für West Texas Intermediate für Juli um 0,99 % auf 76,24 $ zulegten und damit frühere Verluste wettmachten. Laut CNBC erfolgte die Erholung, nachdem das Schweizer Außenministerium mitgeteilt hatte, dass die für Freitag auf dem Bürgenstock geplanten Gespräche nicht wie vorgesehen stattfinden würden.
Das Weiße Haus erklärte zudem, dass Vizepräsident JD Vance nicht mehr in die Schweiz reisen werde, und verwies auf ungeklärte logistische Fragen im Zusammenhang mit den Verhandlungen. Die Absage ließ das Interimsabkommen zwar nicht förmlich scheitern, schwächte jedoch das Vertrauen in einen reibungslosen Übergang beider Seiten zu einer umfassenderen Einigung.
Die Märkte hatten zuvor eine schnellere Normalisierung eingepreist, nachdem es Anzeichen dafür gab, dass der kommerzielle Warenstrom durch die Straße von Hormus, eine Schlüsselroute für globale Energieexporte, wieder anzulaufen begann. Anfang der Woche erklärten US-Beamte, dass Tanker mit mehr als 12 Millionen Barrel die Meerenge über Nacht durchquert hätten und der Iran die Schifffahrt die zweite Nacht in Folge nicht angegriffen habe.
Dies hatte den Rohölpreis in den vorangegangenen Sitzungen nach unten gedrückt. Dennoch bleiben Händler vorsichtig, da große Reedereien die Durchfahrten noch nicht vollständig wieder aufgenommen haben und die Versicherungskosten erhöht bleiben. Brent liegt weiterhin deutlich unter dem Niveau auf dem Höhepunkt des Konflikts, doch die jüngste Preisentwicklung zeigt, dass Risikoprämien schnell zurückkehren können, wenn die Diplomatie ins Stocken gerät.
OPEC weist Ansicht über Überangebot zurück
Der Markt verarbeitete zudem Kommentare von OPEC-Generalsekretär Haitham Al Ghais, der erklärte, die Gruppe erwarte in absehbarer Zeit keinen Höchststand der Ölnachfrage. Er wies zudem Prognosen der Internationalen Energieagentur zurück, die auf ein künftiges Überangebot hindeuteten.
Diese Differenz ist für Händler von Bedeutung, die kurzfristige Geopolitik gegen längerfristige Fundamentaldaten abwägen. Sollte die Nachfrage robust bleiben und die Normalisierung in Hormus länger dauern als erwartet, könnten die Rohölpreise auch nach dem deutlichen Rückgang von den kriegsbedingten Höchstständen gestützt bleiben.
Hormus bestimmt weiterhin die Preisuntergrenze
Der Ölmarkt reagiert nicht mehr nur auf den Waffenstillstand selbst. Er testet nun, ob der Waffenstillstand berechenbare Warenströme durch einen der weltweit wichtigsten Energiekorridore wiederherstellen kann.
Die Straße von Hormus bleibt von zentraler Bedeutung, da Verzögerungen in der Schifffahrt, höhere Versicherungsraten oder erneute Sicherheitsbedenken die Erwartungen für das Rohöl- und LNG-Angebot schnell beeinflussen können. Selbst nach einem starken Rückgang von den Höchstständen der Konfliktphase zeigt Brent nahe 80 $, dass Händler nicht bereit sind, die geopolitische Prämie vollständig zu streichen. Ein dauerhafter Preisrückgang wird wahrscheinlich mehr als nur diplomatische Rhetorik erfordern. Er wird einen anhaltenden Tankerverkehr, niedrigere Versicherungskosten und Beweise dafür erfordern, dass das Interimsabkommen Bestand hat.
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