Verbände drängen auf Stopp der Tegut-Übernahme durch Rewe und Edeka
Nach jahrelangen Verlusten zieht sich die Supermarktkette Tegut aus dem deutschen Markt zurück, während der Schweizer Mutterkonzern Migros den Verkauf eines Großteils der Filialen an Rewe und Edeka plant. Gegen die Transaktion formiert sich nun Widerstand, weil Verbände eine weitere Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel und Folgen für regionale Lieferketten befürchten.
Höhepunkte
- Oxfam Deutschland, Forum Fairer Handel und Rebalance Now fordern das Bundeskartellamt auf, die Übernahme von Tegut-Filialen durch Rewe und Edeka zu untersagen.
- Laut den Verbänden kontrollieren Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe bereits 88 Prozent des deutschen Lebensmittelmarktes, der Tegut-Kauf würde Marktmacht weiter konzentrieren.
- Verbände warnen vor negativen Folgen wie Existenzgefährdung für regionale Lieferanten und Bio-Landwirte, sowie steigendem Preisdruck und Inflation durch zunehmende Marktmonopolisierung.
Kartellprüfung und Kritik an Marktkonzentration
Wie BILD.de berichtet, fordern Oxfam Deutschland, das Forum Fairer Handel und Rebalance Now das Bundeskartellamt auf, die Übernahme der Tegut-Standorte durch Rewe und Edeka zu untersagen. Die Organisationen argumentieren, Tegut sei bislang eine Alternative zu den vier großen Handelsgruppen Edeka, Rewe, Aldi und der Schwarz-Gruppe mit Kaufland und Lidl gewesen.Nach Darstellung der Verbände dominieren diese Konzerne den deutschen Markt bereits mit einem Anteil von 88 Prozent. Mit dem Kauf der Tegut-Filialen würden Rewe und Edeka ihre Marktmacht weiter ausbauen, während ein weiterer unabhängiger Anbieter vom Markt verschwindet.
Das Bundeskartellamt prüft die Übernahme derzeit, eine Entscheidung liegt noch nicht vor. Ulrich Müller von Rebalance Now erklärt in einer Pressemitteilung, die Behörde müsse die Übernahmen untersagen, um den Wettbewerb zu schützen und eine weitere Monopolisierung des Lebensmittelhandels zu verhindern.
Folgen für Lieferanten, Bio-Landwirtschaft und Verbraucher
Die Verbände sehen nicht nur Risiken für den Wettbewerb, sondern auch für regionale Anbieter, die Tegut belieferten, darunter Produzenten von Waren für Eigenmarken. Mit dem Wegfall des Händlers könnten einzelne Lieferanten nach ihrer Einschätzung sogar in ihrer Existenz gefährdet werden.Besonders in Hessen, wo Tegut stark vertreten ist und als etablierter Abnehmer gilt, könnten regionale Lieferketten geschwächt und der Druck auf Bio-Landwirte erhöht werden. Die jahrelangen finanziellen Verluste von Tegut führen die Verbände auch auf die starke Marktstellung der großen Wettbewerber zurück.
Matthias Fiedler, Geschäftsführer des Forum Fairer Handel e. V., erklärt in einer Pressemitteilung, Supermärkte nutzten ihre Marktmacht, um Preise gegenüber Lieferanten und Landwirtschaft zu drücken, ohne diese Senkungen an Verbraucher weiterzugeben. Nach seiner Darstellung verschärft dies prekäre Bedingungen in der Landwirtschaft und trägt zugleich zu höheren Verbraucherpreisen und einer schwierigeren Inflationslage bei.
In unserem früheren Artikel zur EU-Kartellstrafe gegen Google wegen Android-Praktiken ging es um die bestätigte Zahlung von 4,1 Mrd. € und die daraus resultierenden regulatorischen Gegenwinde für Alphabet. Wir ordneten ein, dass die Entscheidung die Anlegerstimmung belasten und den Fokus stärker auf Cashflows sowie die fortlaufende Aufsicht der Behörden lenken kann. Zudem zeigten wir, dass der Kurs kurzfristig unter Druck stand, insgesamt aber in einer Konsolidierung mit wichtigen Unterstützungszonen blieb.
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