Volkswagen erwägt tiefen Konzernumbau mit Werksschließungen und milliardenschweren Einschnitten
Bei Volkswagen steht am Donnerstag eine Aufsichtsratssitzung im Zeichen eines weitreichenden Spar- und Umbauprogramms, das Werke, Arbeitsplätze, Marken und Beteiligungen erfasst. Im Zentrum stehen nach internen Planungen niedrigere Investitionen bis 2031, ein höheres Margenziel bis 2030 und ein möglicher tiefgreifender Umbau der deutschen Standorte.
Höhepunkte
- Volkswagen plant Investitions- und F&E-Ausgaben für 2027–2031 um 50 Milliarden Euro auf 135 Milliarden Euro zu senken und strebt bis 2030 eine operative Umsatzrendite von 9 Prozent an.
- Bis zu 140.000 Arbeitsplätze könnten betroffen sein; mehrere Werke wie Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm verlieren spätestens 2034 neue Fahrzeugzuweisungen oder werden stillgelegt.
- VW will das Modellangebot weltweit um etwa 50 Prozent und die Variantenvielfalt um bis zu 75 Prozent reduzieren sowie 35 Prozent seiner über 2.000 Beteiligungen prüfen, um 10–15 Milliarden Euro Nettoliquidität zu generieren.
Sparprogramm mit Milliardenvolumen
Wie BILD berichtet, diskutiert der VW-Aufsichtsrat über einen internen Rettungsplan, den das Management wegen einer aus seiner Sicht existenzbedrohenden Lage vorantreibt. Demnach sollen die Ausgaben für Investitionen sowie Forschung und Entwicklung im Zeitraum 2027 bis 2031 gegenüber bisherigen Planungen um insgesamt 50 Milliarden Euro auf 135 Milliarden Euro sinken.Zugleich peilt der Konzern bis 2030 wieder eine operative Umsatzrendite von 9 Prozent und ein operatives Ergebnis von 30,6 Milliarden Euro an. Die Gemeinkosten im Automobilbereich sollen auf 37 Milliarden Euro beziehungsweise rund 12 Prozent des Umsatzes gedrückt werden.
Auch die Konzernstruktur steht den Angaben zufolge zur Prüfung. Das operative Geschäft der Volkswagen AG könnte in eine Volkswagen Pkw AG und eine Volkswagen Komponente AG ausgegliedert werden, während die Holding stärker als schlanke Dachgesellschaft arbeiten würde, um Zuständigkeiten zu bündeln und Entscheidungen zu beschleunigen.
Folgen für Werke, Beschäftigung und Marken
Besonders weitreichend sind die möglichen Auswirkungen auf die Beschäftigung. In internen Planungen gelten laut dem Bericht bis zu 140.000 Arbeitsplätze als womöglich betroffen, darunter mindestens 15.000 Stellen in der Technischen Entwicklung und mindestens 5.000 in der Produktion.Der Konzern will demnach zunächst auf freiwillige Maßnahmen wie Altersteilzeit, Abfindungsprogramme, freiwillige Austritte und Ausgliederungen setzen. Gleichzeitig soll die Zahl der Managementpositionen weltweit von rund 21.500 auf 16.000 sinken, was einem Abbau von mehr als 5.500 Stellen im Management entspräche.
Für mehrere deutsche Werke zeichnet sich in den Planungen eine unsichere Perspektive ab. Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm sollen in künftigen Runden keine neuen Fahrzeugmodelle mehr erhalten; für Zwickau und Emden ist dem Bericht zufolge ein Produktionsende ab 2031 vorgesehen, für Hannover 2032 und für Neckarsulm 2034.
Darüber hinaus will Volkswagen das Modellangebot global um rund 50 Prozent und die Variantenvielfalt um bis zu 75 Prozent reduzieren. In den internen Zielplanungen für 2030 wird Seat dem Bericht zufolge nicht mehr als eigenständiger Bestandteil geführt, während Cupra als Wachstumsmarke fortgeführt werden soll.
Neben dem Autogeschäft prüft der Konzern auch sein Beteiligungsportfolio mit mehr als 2.000 Gesellschaften. Rund 35 Prozent davon könnten überprüft, zusammengelegt, verkauft oder abgewickelt werden, was bis 2030 eine zusätzliche Nettoliquidität von 10 bis 15 Milliarden Euro bringen soll.
In unserem früheren Artikel zur bevorstehenden Aufsichtsratssitzung bei Volkswagen haben wir den sich zuspitzenden Konflikt um den Konzernumbau und den verschärften Sparkurs zusammengefasst – inklusive Diskussionen über mögliche Werksschließungen und weitreichenden Stellenabbau. Außerdem haben wir den wachsenden Widerstand von IG Metall, Betriebsrat und dem Land Niedersachsen gegen harte Einschnitte sowie die Bedeutung des Themas für die Entwicklung der VOW3-Aktie eingeordnet.
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