Deutschland beschließt Kapazitätsmarkt zur Absicherung der Stromversorgung
Nach der Zustimmung von Bundestag und Bundesrat erhält Deutschland einen gesetzlichen Rahmen für neue steuerbare Stromkapazitäten. Das StromVKG schafft damit Planungs- und Investitionssicherheit und bildet die Grundlage für erste Ausschreibungen ab September 2026.
Höhepunkte
- Deutschland führt ab 2031 einen Kapazitätsmarkt ein, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten und Investitionen in steuerbare Kraftwerkskapazitäten zu ermöglichen.
- Die ersten beiden Ausschreibungsrunden mit insgesamt 10 Gigawatt Langzeitkapazitäten starten im September und Dezember 2026, weitere 2 Gigawatt folgen im Mai 2027 ohne Langzeitkriterium.
- Das Gesetz bietet Marktakteuren erhöhte Planungssicherheit für neue Investitionen, setzt auf Wettbewerb und regionale Steuerung und stärkt EU-Wertschöpfungsketten durch Standortvorgaben für Komponenten.
Ausschreibungen starten ab September 2026
Wie Bundeswirtschaftsministerium unter Berufung auf das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mitteilte, ist der Gesetzentwurf zur Sicherung der Versorgungssicherheit und zur Bereitstellung neuer Kapazitäten, StromVKG, mit der heutigen Befassung des Bundesrats final beschlossen; der Bundestag hatte dem Gesetz bereits am Vortag zugestimmt.Mit dem Gesetz wird ein Kapazitätsmarkt für das Jahr 2031 eingeführt, der sicherstellen soll, dass ausreichend Anlagen gebaut werden und betriebsbereit sind. Die Umsetzung erfolgt über stufenweise Ausschreibungen für steuerbare Kapazitäten, die grundsätzlich technologieoffen angelegt sind, sofern die Anbieter die Bedingungen erfüllen und zuverlässig Leistung zur Sicherung der Stromversorgung bereitstellen können.
Den ersten wesentlichen Beitrag sollen Ausschreibungen über rund 10 Gigawatt sogenannter Langzeitkapazitäten leisten. Diese Runden sind für September und Dezember 2026 vorgesehen und richten sich an Anlagen, die über längere Zeit durchgehend Strom liefern können, um längere Phasen schwacher Wind- und Solarerzeugung abzusichern.
Weitere 2 Gigawatt sollen im Mai 2027 ausgeschrieben werden, dann ohne Langzeitkriterium. Im Dezember 2027 und im Jahr 2029 folgen weitere Ausschreibungsrunden, die neben Kraftwerken und Speichern auch flexible Nachfrager und Bestandsanlagen einbeziehen; die Bundesnetzagentur soll die jeweiligen Mengen anhand des aktuellen Versorgungssicherheitsmonitorings so festlegen, dass der gesamte Kapazitätsbedarf für 2031 gedeckt wird.
Folgen für Investitionen und Energiemarkt
Das Ministerium stellt das Gesetz als Antwort auf wachsende Herausforderungen im deutschen Stromsystem ab Anfang der 2030er Jahre dar, auf die nationale und europäische Analysen zur Versorgungssicherheit hinweisen. Für Marktakteure bedeutet der Beschluss nach Darstellung der Regierung vor allem mehr Planungssicherheit für Investitionen in neue Kraftwerks- und Speicherkapazitäten.Bundesministerin Katherina Reiche erklärt, das StromVKG schaffe nach jahrelanger Unsicherheit einen klaren Fahrplan und ermögliche Investitionen in neue Kraftwerke, die den Kohleausstieg flankieren sollen. Zugleich setzt das Modell nach Angaben des Ministeriums auf Markt, Wettbewerb und Technologieoffenheit.
Über eine regionale Steuerung soll sichergestellt werden, dass neue Anlagen dort entstehen, wo sie für Versorgungssicherheit und Netzstabilität besonders benötigt werden. Zudem sollen europäische Wertschöpfungsketten gestärkt werden, weil wesentliche Komponenten in der EU oder in Staaten mit Freihandelsabkommen oder Zollunion mit der EU gefertigt werden müssen.
Das BMWE zeigt sich zuversichtlich, dass die Europäische Kommission die beihilferechtliche Genehmigung rechtzeitig vor dem ersten Ausschreibungstermin im September 2026 erteilt. Für den Zeitraum ab 2032 plant die Bundesregierung nach dem Gesetz einen umfassenderen Kapazitätsmarkt; die entsprechenden Regelungen sollen im Jahr 2027 vorgelegt werden.
In unserem früheren Artikel über RWEs Investition in das Fusions-Startup Proxima Fusion haben wir erläutert, dass der Konzern 25 Millionen Euro in die Finanzierungsrunde eingebracht und damit seine strategische Ausrichtung auf fortschrittliche, saubere Energietechnologien unterstrichen hat. Zudem haben wir die kurzfristig gemischten technischen Signale der RWE-Aktie und die erwartete Handelsspanne eingeordnet, vor dem Hintergrund einer insgesamt konstruktiven Marktpositionierung.
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