EZB treibt Plan für einen tokenisierten Finanzmarkt in Europa voran

EZB treibt Plan für einen tokenisierten Finanzmarkt in Europa voran
EZB treibt tokenisierte Finanzmärkte voran

Europa bewegt sich von ersten Tokenisierungs-Experimenten hin zu einem stärker integrierten digitalen Finanzmarkt, da politische Entscheidungsträger die langjährige Fragmentierung im Handel, Clearing und in Abwicklungssystemen verringern wollen. Die EZB betont, dass Zentralbankgeld im Zentrum dieses Wandels stehen sollte, um Fragmentierung zu begrenzen, die Abhängigkeit von privaten Abwicklungsinstrumenten zu verringern und die Abhängigkeit von außerhalb Europas kontrollierter Infrastruktur zu reduzieren.

Das Wichtigste

  • Tokenisierte traditionelle Vermögenswerte, die auf öffentlichen Blockchains in Europa erfasst sind, stiegen von 4,7 Milliarden Euro im März 2025 auf 23,3 Milliarden Euro im März 2026.
  • Das Eurosystem wird die Abwicklung von DLT-Transaktionen in Zentralbankgeld ermöglichen und akzeptiert nun DLT-basierte marktfähige Vermögenswerte bei europäischen Zentralverwahrern als zulässige Sicherheiten.
  • Europäische Zentralverwahrer starten groß angelegte Tokenisierungsinitiativen, und Gesetzgeber erwägen die Ausweitung des DLT-Pilotregimes sowie die Überprüfung der Markets in Crypto-Assets Regulation.

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

EZB-Fahrplan für tokenisierte Marktinfrastruktur

Wie von der EZB berichtet, sagt Vorstandsmitglied Piero Cipollone, dass Europa vom Strategie- in den Umsetzungsmodus übergeht, um einen tokenisierten Finanzmarkt auf Basis von Distributed-Ledger-Technologie und Zentralbankgeld zu entwickeln. In einer Rede am 26. August 2026 in Frankfurt am Main erklärt er, dass Tokenisierung mehr leisten kann als bestehende Prozesse zu beschleunigen, da sie die Finanzwertschöpfungskette neu organisieren kann, indem Emission, Handel, Clearing, Abwicklung, Verwahrung und Asset Servicing in eine gemeinsame digitale Umgebung gebracht werden.

Cipollone betont, dass dies besonders in Europa relevant ist, wo die Kapitalmärkte trotz jüngster Fortschritte weiterhin fragmentiert sind. Die EU verfügt über 31 Zentralverwahrer, 14 zentrale Gegenparteien und 323 Handelsplätze, während grenzüberschreitende Abwicklungen weiterhin begrenzt sind und Wertpapiere meist lokal verwahrt und abgewickelt werden.

Er sagt, dass sich tokenisierte Finanzmärkte weltweit nun von der Experimentierphase zur frühen Einführung verschieben, da institutionelle Akteure verstärkt traditionelle Finanzinstrumente tokenisieren. Tokenisierte traditionelle Vermögenswerte, die auf öffentlichen Blockchains erfasst sind, stiegen zwischen März 2025 und März 2026 etwa auf das Fünffache – von 4,7 Milliarden Euro Ende des ersten Quartals 2025 auf 23,3 Milliarden Euro Ende des ersten Quartals 2026.

Auswirkungen auf die europäischen Kapitalmärkte

Laut Cipollone hat Europa die Chance, durch Tokenisierung die Ineffizienzen bestehender Systeme zu umgehen, wenn von Anfang an ein integrierter Markt geschaffen wird, anstatt die Vermehrung geschlossener und inkompatibler Plattformen zuzulassen. Er benennt drei Hauptrisiken: Fragmentierung zwischen Netzwerken, Verlust des monetären Ankers, falls Märkte auf private Abwicklungsinstrumente setzen, und externe Abhängigkeit von Technologie, Governance oder Abwicklungsvereinbarungen, die außerhalb Europas kontrolliert werden.

Das Eurosystem will die Abwicklung von DLT-Transaktionen in Zentralbankgeld ermöglichen, das die EZB als sicheres Asset und Grundlage für das Wachstum tokenisierter Finanzmärkte präsentiert. Cipollone sagt, dieser Ansatz solle ein integrierteres, wettbewerbsfähigeres und innovativeres europäisches Zahlungs- und Wertpapierökosystem unterstützen und gleichzeitig die globale Attraktivität des Euro stärken.

Er erklärt, dass europäische Institutionen bereits tokenisierte Anleihen, Einlagen, Sicherheiten und Abwicklungslösungen entwickeln und europäische Zentralverwahrer groß angelegte Tokenisierungsinitiativen angekündigt haben – ähnlich wie in den USA. Das Eurosystem akzeptiert zudem erstmals marktfähige Vermögenswerte, die über DLT-basierte Dienste bei europäischen Zentralverwahrern ausgegeben wurden, als zulässige Sicherheiten, während EU-Gesetzgeber über die Ausweitung und Verbesserung des DLT-Pilotregimes diskutieren und die Europäische Kommission prüft, ob die Markets in Crypto-Assets Regulation gezielte Anpassungen benötigt.

In unserem früheren Artikel zur Expansion des USD1-Stablecoins von World Liberty Financial haben wir die verstärkte Ausrichtung des Unternehmens auf regulierte Finanzdienstleistungen behandelt, einschließlich der bedingten Genehmigung für eine nationale Trust-Bank-Lizenz, die Emission und Verwahrung ins eigene Haus bringen würde. Wir haben auch darauf hingewiesen, dass das schnelle Wachstum und der rege Handel des Stablecoins politische Aufmerksamkeit und Fragen zu Interessenkonflikten im Zusammenhang mit Trump-bezogenen Offenlegungen und Eigentumsverhältnissen aufgeworfen haben.

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