Bundeswehr-Hubschrauberprogramm gerät wegen Technikrisiken und Verzögerungen unter Druck
Das Beschaffungsprogramm für neue Kampfhubschrauber der Bundeswehr steht vor erheblichen operativen und finanziellen Risiken, weil die ersten Maschinen zunächst nicht einsatzfähig für den Kampf sind. Damit wächst der Druck auf das Verteidigungsministerium, zumal Deutschland der Nato bis 2029 und ab 2032 deutlich größere verfügbare Stückzahlen zusagt.
Das Wichtigste
- Airbus liefert die für rund 2,5 Milliarden Euro bestellten H145-Hubschrauber verspätet und zunächst nur in vorläufiger, nicht kampffähiger Konfiguration an die Bundeswehr.
- Technische Probleme bei Bordkanonenmunition sowie bei Panzerabwehrraketen verzögern Einsatzfähigkeit; trotzdem plant das Verteidigungsministerium Beschaffungen im Wert von 384 Millionen Euro vor Nachweis der Praxistauglichkeit.
- Der Bundesrechnungshof sieht Nato-Ziele für 12 einsatzbereite Kampfhubschrauber bis 2029 und 72 bis 2032 gefährdet und empfiehlt, die zusätzliche Bestellung weiterer 20 Helikopter auszusetzen.
Rechnungshof sieht kritischen Projektverlauf
Wie Bild unter Berufung auf einen vertraulichen Bericht des Bundesrechnungshofs berichtet, kommen die von Airbus bestellten H145-Hubschrauber verspätet, zudem werden die ersten Maschinen nur in einer vorläufigen Konfiguration ausgeliefert.Für rund 2,5 Milliarden Euro soll Airbus die Militärvarianten bis Ende 2028 liefern. Nach Darstellung der Rechnungsprüfer können diese ersten Hubschrauber zunächst nicht kämpfen, sondern nur für Ausbildungszwecke genutzt werden. Der Bundesrechnungshof stuft das Vorhaben als Projekt auf einem kritischen Pfad ein und wirft dem Verteidigungsministerium vor, den Aufwand für die Umrüstung eines zivilen Musters zu einem bewaffneten Militärhubschrauber unterschätzt zu haben.
Ein zentrales Problem liegt bei der Munition für die Bordkanone. Die Bundeswehr hat die Geschosse bislang nicht getestet, zudem gilt die verfügbare 20-Millimeter-Munition wegen einer elektrostatischen Empfindlichkeit des Anzündhütchens nicht als sicher. Wann der Hersteller diesen Mangel beheben kann, bleibt laut den vorliegenden Angaben offen.
Folgen für Beschaffung und Nato-Zusagen
Zusätzliche Risiken bestehen auch bei den Panzerabwehrraketen. Erste Schussversuche im Mai 2025 werden wegen technischer Probleme bei der Steuerung abgebrochen, dennoch plant das Verteidigungsministerium die Beschaffung von Lenkflugkörpern im Wert von 384 Millionen Euro, noch bevor deren Einsatzfähigkeit nachgewiesen ist.Der Bundesrechnungshof warnt deshalb vor dem Risiko, dass der Lenkflugkörper die Einsatzprüfung nicht besteht und für die Bundeswehr im Einsatz nicht nutzbar wäre. Die Prüfer empfehlen, das Hubschrauberprojekt grundlegend zu überprüfen und die Bestellung weiterer 20 Helikopter vorerst auszusetzen.
Die Verzögerungen treffen auf konkrete Bündnisverpflichtungen. Die Bundeswehr soll der Nato bis 2029 zwölf und ab 2032 insgesamt 72 einsatzbereite Kampfhubschrauber zur Verfügung stellen. Ob diese Ziele erreichbar sind, ist damit fraglich. Parallel verweist der Text auch auf Probleme bei anderen Rüstungsprojekten, darunter vier neue MEKO-Fregatten mit einem Volumen von rund 5,3 Milliarden Euro.
In unserem früheren Beitrag zum Haushaltsbegleitgesetz 2027 haben wir erläutert, wie die Bundesregierung den Bundeshaushalt über Umschichtungen, Anpassungen im Haushaltsrecht und Einschnitte bei Sozialausgaben strukturell entlasten will. Dabei ging es auch um die geplante Verschiebung der Rückzahlung von Krediten des Sondervermögens Bundeswehr auf die Zeit ab 2033 sowie um Kritik von Sachverständigen an Transparenz und begrenzter Konsolidierungswirkung. Diese finanzpolitischen Rahmenbedingungen sind relevant, wenn nun Verzögerungen und Zusatzrisiken bei großen Bundeswehr-Beschaffungen diskutiert werden.
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