EZB drängt auf grundlegende Überarbeitung der MiCA-Reserven für Stablecoins
Die Europäische Zentralbank und die nationalen Zentralbanken der EU drängen auf Änderungen der MiCA-Regeln, nach denen große Stablecoin-Emittenten den Großteil ihrer Reserven bei Geschäftsbanken hinterlegen müssen. Der Vorschlag spiegelt die wachsende Sorge wider, dass die eigentlich zur Sicherstellung der Liquidität gedachte Vorgabe Stress von Stablecoins auf das Bankensystem übertragen könnte.
Das Wichtigste
- Zentralbanken wollen die 60-prozentige MiCA-Einlagenpflicht abschaffen.
- Der Vorschlag setzt auf kurzfristige, hochliquide Reservevermögenswerte.
- Die Änderung soll Liquiditätsrisiken für Banken verringern.
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Das Europäische System der Zentralbanken, dem die EZB und die nationalen Zentralbanken der EU angehören, will die 60-prozentige Einlagenpflicht bei Geschäftsbanken für bedeutende Stablecoins abschaffen, berichtet CoinPedia. Die Zentralbanken befürworten eine Reserve-Struktur, die Emittenten besseren Zugang zu Vermögenswerten ermöglicht, die bei Rücknahmeanträgen der Inhaber schnell in Bargeld umgewandelt oder abgewickelt werden können.
Zentralbanken rücken Liquiditätsrisiken in den Fokus
MiCA verpflichtet Emittenten bedeutender E-Geld-Token und vermögenswertereferenzierter Token derzeit dazu, mindestens 60 % der entsprechenden Reserven als Bankeinlagen zu halten. Für nicht bedeutende Emittenten liegt das Minimum bei 30 %. EZB-Studien haben zuvor eine mögliche Schwachstelle dieser Regelung aufgezeigt: Einlagen können zwar einen sofort verfügbaren Liquiditätspuffer bieten, doch umfangreiche Abhebungen während eines Stablecoin-Runs könnten den Stress direkt auf die Banken übertragen.
Das ESZB will stattdessen Regeln, nach denen ein Mindestanteil der Reserven in hochliquide Vermögenswerte investiert wird, die innerhalb von ein bis fünf Werktagen fällig werden. Eine solche Struktur würde Emittenten eine zusätzliche Finanzierungsquelle für Rücknahmen bieten und zugleich ihre Abhängigkeit von Einlagen bei Geschäftsbanken verringern.
Das Thema ist besonders relevant, weil Stablecoins rund um die Uhr funktionieren, während einige herkömmliche Reservevermögenswerte weiterhin auf T+1- oder T+2-Basis abgewickelt werden. Diese Diskrepanz kann sich in Phasen hoher Rücknahmenachfrage verschärfen.
Euro-Stablecoins stehen vor einer Neuausrichtung ihrer Reserven
Eine Änderung könnte regulierte, auf Euro lautende Stablecoins wie Circle’s EURC betreffen. MiCA verpflichtet Emittenten, Reserven für die im Umlauf befindlichen Token vorzuhalten. Änderungen bei den zulässigen Vermögenswerten oder den Liquiditätsanforderungen könnten Emittenten daher dazu zwingen, die Aufteilung dieser Reserven zu überdenken.
Der breitere Markt für Euro-Stablecoins ist weiterhin relativ klein. EZB-Daten zufolge lag seine Marktkapitalisierung im Januar 2026 bei rund 450 Mio. €, verglichen mit etwa 300 Mrd. $ für auf US-Dollar lautende Stablecoins zu diesem Zeitpunkt.
Die Zentralbanken haben zudem ein separates Problem bei der Durchsetzung der Regeln angesprochen, insbesondere wenn außerhalb der EU ansässige Kryptounternehmen weiterhin europäische Kunden bedienen, ohne dieselben Anforderungen wie regulierte Anbieter zu erfüllen.
MiCA steht mit dem Wachstum der Stablecoins vor einer Bewährungsprobe
Die Debatte verdeutlicht den Zielkonflikt in der europäischen Stablecoin-Regulierung. Hohe Reserven bei Banken verschaffen Emittenten leicht zugängliche Mittel, konzentrieren jedoch zugleich Finanzierungen, die in Stressphasen schnell abgezogen werden könnten.
Die EZB hat bereits gewarnt, dass Stablecoin-Einlagen eine wechselseitige Ansteckung auslösen können: Probleme bei einer Bank können einen Emittenten schwächen, während umfangreiche Stablecoin-Rücknahmen abrupte Abflüsse aus Banken auslösen können. Eine Überarbeitung von MiCA würde daher nicht nur die Liquiditätssteuerung von Stablecoin-Unternehmen verändern, sondern auch die Maßnahmen der europäischen Aufsichtsbehörden, um traditionelle Kreditinstitute vor einem wachsenden Markt für digitale Vermögenswerte abzuschirmen.
Wir berichteten außerdem über die Suche der EZB nach Händlern für den Digital-Euro-Pilotversuch, während das angestrebte Ausgabedatum 2029 näher rückt.
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