Gesamtmetall warnt vor Jobrisiken durch neues Tariftreuegesetz

Gesamtmetall warnt vor Jobrisiken durch neues Tariftreuegesetz
Jobrisiko durch Tariftreuegesetz

Nach dem Bundestagsbeschluss in dritter Lesung steht das neue Tariftreuegesetz vor der Umsetzung, und die Metall- und Elektroindustrie sieht wachsende Risiken für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung. Der Arbeitgeber-Dachverband Gesamtmetall kritisiert die Neuregelung als zusätzliche bürokratische Belastung bei öffentlichen Aufträgen und verbindet damit die Warnung, dass insbesondere kleinere Betriebe verdrängt werden könnten, wie Bild berichtet.

Höhepunkte

  • Der Bundestag hat das Tariftreuegesetz beschlossen, das Unternehmen bei öffentlichen Aufträgen zur Einhaltung tariflicher Arbeitsbedingungen sowie zu umfangreichen Dokumentations-, Kontroll- und Haftungspflichten verpflichtet.
  • Gesamtmetall kritisiert mit Verweis auf bereits 14 verschiedene Landestariftreuegesetze die Entstehung eines komplexen Flickenteppichs und warnt, dass KMU, 2022 mit 50 Prozent und 2023 mit 46 Prozent an Bundesaufträgen, aus dem Wettbewerb gedrängt werden könnten.
  • Eine neue Haftungsregel macht Unternehmen vollständig für Tarifverstöße von Subunternehmern haftbar, was laut Gesamtmetall den Rückzug kleiner Betriebe aus öffentlichen Ausschreibungen und dadurch Jobverluste befürchten lässt.

Beschluss und zentrale Pflichten bei Vergaben

Das Tariftreuegesetz wurde laut Artikel am Donnerstagvormittag vom Bundestag in dritter Lesung beschlossen. Es verpflichtet Unternehmen bei öffentlichen Aufträgen zur Einhaltung tariflicher Arbeitsbedingungen. Dazu kommen umfangreiche Dokumentations-, Kontroll- und Haftungspflichten, die nach Darstellung der Industrie den Aufwand deutlich erhöhen. Gesamtmetall sieht dadurch den Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt gefährdet.

Bürokratiekritik, Mittelstand und Haftungsregeln

Der Verband warnt vor einem „Bürokratie-Monster“, weil bereits 14 unterschiedliche Landestariftreuegesetze existieren, Sachsen und Bayern ausgenommen. Mit dem Bundesgesetz entstehe nach dieser Lesart ein Flickenteppich aus 15 Regelwerken mit eigenen Schwellenwerten, Ausnahmen, Dokumentationspflichten und Sanktionen. Betroffen seien besonders kleine und mittlere Unternehmen, auf die zuletzt ein großer Teil der Bundesaufträge entfiel, 2022 mit 50 Prozent und 2023 mit 46 Prozent. Als mögliche Folge nennt Gesamtmetall, dass kleinere Betriebe sich aus öffentlichen Ausschreibungen zurückziehen und damit aus dem Wettbewerb gedrängt werden könnten. Besonders kritisch bewertet der Verband zudem eine neue Haftungsregel, nach der Unternehmen vollständig für Tarifverstöße von Subunternehmern haften sollen, inklusive Vertragsstrafen, Kündigungen und möglichem Ausschluss von Vergaben.

Warnungen der Industrie und erwartete Folgen

Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander warnt, der Tarifzwang werde Unternehmen, die wirtschaftlich unter Druck stehen und auf öffentliche Aufträge angewiesen sind, faktisch aus dem Wettbewerb drängen. Er spricht von einem „Nachtreten“ gegenüber Firmen, die aufgrund einer massiven Wirtschaftskrise um ihre Existenz kämpften. Der Verband verbindet diese Einschätzung mit der Erwartung, dass Jobs in der Branche gefährdet sein könnten, wenn sich Unternehmen aus dem öffentlichen Beschaffungsmarkt zurückziehen. Die Debatte konzentriert sich damit auf die Frage, ob zusätzliche Pflichten die gewünschten sozialen Standards sichern oder ob sie die Teilnahme an Vergaben, vor allem für kleinere Anbieter, unattraktiver machen.

Wir berichteten zuvor über das Tariftreuegesetz, das in Berlin kurz vor der Entscheidung im Bundestag stand, nachdem sich Union und SPD auf die letzten offenen Punkte verständigt hatten. Im Fokus standen die geplante Tariftreuepflicht bei Bundesaufträgen sowie die Kritik aus der Wirtschaft an zusätzlicher Bürokratie und einer weitreichenden Haftung für Verstöße von Nachunternehmern.

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