Logistikbranche warnt, steigende Dieselpreise setzen Lieferketten und Kosten unter Druck

Logistikbranche warnt, steigende Dieselpreise setzen Lieferketten und Kosten unter Druck
Dieselpreise belasten Logistik

Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) sieht die Versorgungssicherheit in Deutschland durch stark gestiegene Dieselpreise gefährdet, wie Vorstandssprecher Dirk Engelhardt in einer Verbandsdarstellung erläutert. Seit Beginn des Krieges habe sich Diesel deutlich stärker verteuert als Öl und Benzin, wodurch Transportkosten spürbar zunehmen. Das könne sich in höheren Preisen für Lebensmittel und andere Waren niederschlagen und die Inflation weiter anheizen.

Höhepunkte

  • Der BGL warnt, dass die aktuelle Dieselpreiserhöhung von bis zu 28 Prozent die Logistikkosten um rund 9 Prozent steigen lässt und Existenzen gefährdet.
  • Steigende Transportkosten treiben laut Branche die Verbraucherpreise in vielen Produktgruppen und verschärfen Inflations- sowie Versorgungsrisiken, besonders für Lebensmittel und Alltagswaren.
  • Höhere Energiepreise belasten Unternehmen mit geringen Margen und Bauwirtschaft über alle Kalkulationsstufen, während sich zusätzliche Kosten durch angespannten Strom- und Gasmarkt ausweiten können.

Kostendruck und Forderungen des Verbands

Die Logistikbranche schlägt nach Angaben des BGL Alarm, wie BILD berichtet, weil vor allem mittelständische Betriebe die Dieselpreissprünge kurzfristig kaum abfedern könnten. Vorstandssprecher Prof. Dr. Dirk Engelhardt warnt, viele Unternehmen kämen binnen weniger Tage an die Grenze ihrer wirtschaftlichen Belastbarkeit. Weil 85 Prozent aller Güter in Deutschland per Lkw transportiert werden, sieht der Verband auch Risiken für die tägliche Versorgung der Bevölkerung. Aus Sicht des BGL ist deshalb kurzfristig politisches Eingreifen nötig.

Der Verband beziffert den Kosteneffekt anhand einer Faustformel: Steigt der Dieselpreis um 10 Prozent, erhöhen sich die Gesamtkosten um rund 3 Prozent. Die aktuelle Erhöhung um bis zu 28 Prozent entspreche damit einem Gesamtkostenanstieg von etwa 9 Prozent, so die Rechnung. Bei Gewinnmargen von bis zu 3 Prozent könne das viele Betriebe in die Verlustzone drücken. Der BGL fordert unter anderem eine Dieselpreisbremse sowie zinsgünstige Liquiditätshilfen.

Folgen für Preise, Inflation und Bauwirtschaft

Mit Blick auf Verbraucherpreise erwartet die Branche, dass höhere Transportkosten sich in vielen Produktgruppen niederschlagen. Insidern zufolge könnte sich der Dieselpreis sogar verdoppeln, was die Teuerung zusätzlich befeuern würde. Besonders betroffen wären Güter, die stark von straßengebundener Logistik abhängen, darunter Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs. Die Warnung zielt damit nicht nur auf Unternehmensbilanzen, sondern auf Preis- und Versorgungsrisiken entlang der Lieferketten.

Clemens Fuest, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, ordnet höhere Energiepreise als eine Art Zusatzsteuer für die Weltwirtschaft ein, Energie, Transport und viele Güter würden dadurch teurer. Das erhöhe die Inflation und könne das Wachstum dämpfen, sagte Fuest. Thomas Puls vom Institut der deutschen Wirtschaft verweist zudem auf den breiten Einsatz von Diesel im Schwerverkehr, aber auch bei Baumaschinen und Generatoren. Dadurch könne der Kosteneffekt besonders stark bei Baupreisen ausfallen, weil Energie und Logistik dort über viele Stufen in die Kalkulation eingehen.

Energiepreise als Risiko für Unternehmen

Ökonomisch gesehen verstärkt eine Dieselverteuerung den Druck auf Unternehmen mit geringen Margen und hoher Transportintensität. Wenn Kraftstoffkosten kurzfristig steigen, sind Preisanpassungen oft verzögert, während die Ausgaben sofort anfallen. Das kann Liquidität belasten und die Bereitschaft zu Investitionen verringern, insbesondere im Mittelstand. Der BGL verbindet diese Mechanik mit der Forderung nach schnellen Entlastungsinstrumenten, um Ausfälle in der Transportkapazität zu vermeiden.

Auch der Strommarkt bleibt aus Sicht der Experten ein Unsicherheitsfaktor. Fuest warnt, dass sich Gas derzeit noch stärker verknappe als Öl und Gas nicht nur für Industrie und private Heizungen, sondern zunehmend auch für die Stromproduktion wichtig sei. Damit könnten zusätzliche Kostenimpulse entstehen, die sich parallel zu den Transportkosten in die Breite der Wirtschaft übertragen. Insgesamt deutet die Lage auf eine Phase hin, in der Energiepreise erneut ein zentraler Treiber für Kosten, Inflation und Preisweitergaben bleiben.

Wir berichteten zuvor über die Maßnahmen der Bundesregierung zur Stabilisierung der Kraftstoffversorgung und zur Dämpfung des Preisdrucks, darunter die geplante Freigabe strategischer Ölreserven. Zudem wurde eine Regulierung nach österreichischem Vorbild geprüft, die Preiserhöhungen an Tankstellen auf einmal täglich begrenzen soll. Diese Schritte liefern den Hintergrund für die aktuelle Debatte um die Folgen hoher Dieselpreise für Logistik, Inflation und Lieferketten.

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