Deutschland warnt vor möglicher Treibstoffknappheit ab Ende April
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche warnt nach Angaben aus ihrer Rede bei der Energiekonferenz Ceraweek in Houston vor möglichen Engpässen bei Kraftstoffen ab Ende April oder im Mai, falls der Krieg mit dem Iran andauert. Der Hinweis kommt in einer Phase, in der die Versorgung an Tankstellen und mit Kerosin laut Reiche noch gesichert ist, die Energiepreise aber bereits steigen. Für die deutsche Wirtschaft sieht das Ministerium damit wachsende Risiken für Konjunktur und Inflation.
Höhepunkte
- Deutschland warnt vor möglichen Engpässen bei Benzin, Diesel und Kerosin ab Ende April oder Mai, sollte der aktuelle Konflikt andauern oder eskalieren.
- Höhere Energiepreise in Folge des Konflikts könnten laut Wirtschaftsinstituten einen wirtschaftlichen Verlust von rund 40 Milliarden Euro verursachen und Verbraucherpreise um bis zu 1,0 Prozent steigen lassen.
- Die Bundesregierung hat strategische Ölreserven freigegeben und Tankstellen auf tägliche Preisänderungen beschränkt, während Branchenvertreter weitere Risiken für Planungssicherheit sehen.
Mögliche Engpässe bei Kraftstoff im Frühjahr
Reiche erklärt, derzeit gebe es noch keine Knappheiten beim Volumen, also bei der verfügbaren Menge an Benzin, Diesel und Flugtreibstoff. Tankstellen seien weiter versorgt, auch Kerosin für den Luftverkehr sei vorhanden. Wenn der Konflikt jedoch nicht endet oder weiter eskaliert, rechnet sie gegen Ende April oder im Mai mit ersten Engpässen.
Die Warnung betrifft damit sowohl Autofahrer als auch Airlines, die von einer angespannten Versorgungslage und höheren Beschaffungskosten getroffen werden könnten. Hintergrund ist die Unsicherheit an den Energiemärkten infolge des anhaltenden Konflikts. Schon jetzt ziehen die Spritpreise an, obwohl die physischen Liefermengen nach Regierungsangaben noch ausreichen.
Energiepreise erhöhen Druck auf Konjunktur
Parallel warnt Reiche vor den Folgen anhaltend hoher Energiepreise für die deutsche Wirtschaft. Sie verweist auf Schätzungen deutscher Wirtschaftsinstitute, wonach ein Verlust von etwa 40 Milliarden Euro entstehen könnte, wenn das hohe Preisniveau anhält. Nach ihrer Einschätzung gerät damit die fragile Erholung der deutschen Wirtschaft zusätzlich unter Druck.
Auch das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln beschreibt in einem Szenario erhebliche Belastungen. Steigt der Brent-Ölpreis auf 100 U.S.-Dollar je Barrel, könnte die gesamtwirtschaftliche Leistung über zwei Jahre real um rund 40 Milliarden Euro sinken. Zugleich würden die Verbraucherpreise den Berechnungen zufolge in diesem Jahr um 0,8 Prozent und im kommenden Jahr um 1,0 Prozent höher liegen.
Regierung setzt auf Reserven und Marktstabilisierung
Deutschland verfügt laut dem Bericht über funktionierende Lieferketten sowie ausgebaute Raffinerie- und Lagerkapazitäten. Zur Stabilisierung der Lage hat die Bundesregierung bereits einen Teil der strategischen Ölreserven freigegeben. Zusätzlich ist ein Paket auf den Weg gebracht, nach dem Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich anheben dürfen.
Branchenvertreter sehen dennoch Risiken für die weitere Planung. Sie warnen, dass eine Verschärfung des Kartellrechts oder länger anhaltende Konflikte in Förderregionen die Planungssicherheit der Mineralölunternehmen beeinträchtigen könnten. In Nachbarländern wie Slowenien gibt es bereits erste präventive Mengenbeschränkungen für Kraftstoffkäufe, in Deutschland ist ein solcher Schritt derzeit jedoch nicht vorgesehen.
Wir berichteten zuvor über den starken Rückgang des WTI-Rohölpreises von 104 US-Dollar auf zeitweise 88 US-Dollar und die anschließende Erholung in den Bereich um 92 US-Dollar. In der Analyse stand im Fokus, dass die Bewegung einer schnellen Liquidation ähnelte und dass sich mit der Korrektur auch ein Teil der geopolitischen Risikoprämie wieder abgebaut haben könnte. Zudem wurden zentrale technische Marken wie die Unterstützung bei 88–90 US-Dollar und Widerstände um 92–95 US-Dollar als wichtige Orientierungsniveaus hervorgehoben.
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