Bundeswehr-Digitalfunk bindet Milliarden trotz Ausfällen

Bundeswehr-Digitalfunk bindet Milliarden trotz Ausfällen
Milliarden für Digitalfunk-Ausfälle

Nach Angaben aus einem vertraulichen Schreiben des Verteidigungsministeriums an den Bundestag, über das WELT berichtet, fließen bereits rund 2,048 Milliarden Euro in das stockende Digitalfunk-Vorhaben der Bundeswehr. Das Projekt ist Teil des Großvorhabens "Digitalisierung Landbasierte Operationen" und soll Soldaten, Fahrzeuge und Gefechtsstände digital vernetzen. Die Technik ist den Angaben zufolge bislang jedoch nicht einsatzfähig.

Höhepunkte

  • Das Digitalfunk-Projekt der Bundeswehr bindet 1,749 Milliarden Euro zzgl. 299 Millionen Euro für flankierende Maßnahmen und zählt zu den komplexesten Vorhaben.
  • Ein zweiter Einsatztest muss Ende 2025 wegen gravierender Mängel abgebrochen werden, wodurch erhebliche Risiken im Betrieb moderner Waffensysteme entstehen.
  • Kritik an ineffizienter Mittelverwendung und mangelhafter Planung erhöht Druck auf das Beschaffungsmanagement, operative Einschränkungen und Mehrkosten drohen bei anhaltenden Problemen.

Kosten, Projektumfang und technischer Anspruch

Dem Ministeriumsschreiben zufolge entfallen etwa 1,749 Milliarden Euro auf das eigentliche Vorhaben. Hinzu kommen weitere 299 Millionen Euro für flankierende Maßnahmen. Das Programm zählt innerhalb der Bundeswehr zu den komplexesten Rüstungsvorhaben und umfasst neben Funkgeräten auch die europäische Wellenform "Essor", die Anbindung an Mobilfunknetze sowie verschiedene Funksysteme für unterschiedliche Fahrzeugtypen.

Mit dem Projekt will die Bundeswehr ein modernes Gefechtsmanagement aufbauen. Dafür sollen Einheiten im Feld digital miteinander kommunizieren und Daten austauschen können. Gerade in landbasierten Operationen gilt eine stabile und eindeutige Funkverbindung als zentrale Voraussetzung für Führung und Koordination.

Testabbrüche verschärfen Risiken im Einsatzbetrieb

Wie WELT zuvor berichtete, muss ein zweiter Einsatztest Ende 2025 wegen schwerwiegender Fehler abgebrochen werden. Laut einem lange unter Verschluss gehaltenen Testbericht sind die Mängel der im November geprüften Version so gravierend, dass bereits im regulären Übungs- und Ausbildungsbetrieb mit umgerüsteten Kampfpanzern Gefahr für Leib und Leben besteht. Betroffen ist demnach auch der einfache Sprechfunk zwischen Kampfpanzern.

Besonders problematisch ist laut Testurteil, dass Soldaten nach dem Einbau der neuen Technik teils nicht erkennen können, ob ein Funkspruch überhaupt gesendet wurde. Das betrifft auch Fahrzeuge wie den Leopard 2 A7V, in denen die Systeme erstmals verbaut sind. Ein sofortiger Feuerstopp könne unter solchen Bedingungen nicht verlässlich befohlen werden, was das Risiko für die Truppe deutlich erhöht.

Kritik an Planung und Kontrolle im Verteidigungsbereich

Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europaparlament, kritisiert gegenüber WELT den Umgang mit Mitteln und Strukturen im Verteidigungsbereich scharf. Zwar stünden durch das Sondervermögen erhebliche Finanzmittel bereit, die veralteten Strukturen bestünden aus ihrer Sicht jedoch fort. Sie wirft der Bundesregierung vor, ohne wirksame Planung und Kontrolle hohe Mittel ineffizient einzusetzen.

Der Fall erhöht den Druck auf das Beschaffungs- und Digitalisierungsmanagement der Bundeswehr. Für den Verteidigungssektor ist das Projekt von hoher Bedeutung, weil moderne Führungs- und Kommunikationssysteme als Grundvoraussetzung für die Einsatzfähigkeit gelten. Bleiben Ausfälle und Verzögerungen bestehen, drohen weitere Kosten, operative Einschränkungen und zusätzlicher Rechtfertigungsdruck gegenüber Parlament und Öffentlichkeit.

Wir berichteten zuvor über die seit Januar stärker beachtete 3-Monats-Klausel im Wehrpflichtgesetz, nach der Männer zwischen 17 und 45 Jahren für Auslandsaufenthalte von mehr als drei Monaten eine Genehmigung benötigen können. In unserem Beitrag ging es um die umstrittene Reichweite der Regel, verfassungsrechtliche Kritik sowie die Unsicherheit in der praktischen Umsetzung und ihre Folgen für Mobilität und Planungssicherheit.

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