Iran-Krieg erhöht Preisdruck auf Lebensmittel in Deutschland

Iran-Krieg erhöht Preisdruck auf Lebensmittel in Deutschland
Krieg treibt Preise hoch

Die blockierte Straße von Hormus erhöht nach Einschätzung von Branchenvertretern und Ökonomen das Risiko deutlich steigender Lebensmittelpreise in Deutschland. Besonders bei Frischeprodukten, Milch, Brot und Fleisch droht bis zum Jahresende ein spürbarer Kostenschub, während die allgemeine Inflation derzeit bei 2,7 Prozent liegt.

Höhepunkte

  • Die Blockade der Straße von Hormus bedroht die weltweite Düngemittelversorgung und könnte eine Inflationswelle von über 10 Prozent in Deutschland auslösen.
  • Lebensmittelpreise in Deutschland könnten bis Jahresende deutlich steigen: Milch von 85 Cent auf mindestens 1 Euro, Joghurt auf 2,35 Euro, Mischbrot über 5 Euro.
  • Höhere Düngerpreise treiben Fleischpreise um etwa 10 Prozent und verschärfen die weltweiten Risiken für Ernährungssicherheit, insbesondere in Asien und Afrika.

Warnungen vor steigenden Kosten bei Dünger und Nahrung

Wie BILD berichtet, werden Dünger und wichtige Rohstoffe für dessen Herstellung zu einem großen Teil über die blockierte Straße von Hormus transportiert, die für rund ein Drittel der weltweiten Produktion relevant ist.

Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein sagt, Landwirte müssten höhere Kosten weitergeben, die direkt bei den Verbrauchern ankämen. Er warnt vor einer neuen Inflationswelle von mehr als 10 Prozent, ähnlich wie in der Corona-Krise, und erwartet vor allem bei frischen Lebensmitteln einen Preisschub.

Nach seiner Einschätzung könnte Milch von derzeit rund 85 Cent bis zum Jahresende auf mindestens 1 Euro steigen. Ein Kilo Joghurt könnte von etwa 2 Euro auf rund 2,35 Euro klettern, während Mischbrot von 3,50 bis 4,50 Euro auf mehr als 5 Euro steigen könnte.

Risiken für Fleischpreise und globale Versorgung

Heinemann rechnet auch bei frischem Obst und Gemüse bis zum Jahresende mit einem Plus von mindestens 10 Prozent. Weil höhere Düngerpreise den Futteranbau für Vieh verteuern, könnten auch Fleischpreise um etwa 10 Prozent zulegen.

Frank Gemmer, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Agrar, verweist auf Berichte von U.S.-Bauern über bis zu 40 Prozent höhere Düngerpreise. Je länger der Krieg andauere, desto stärker werde der Preisdruck.

Auch Samina Sultan vom IW Köln sieht einen neuen Inflationsschub und warnt vor weltweiten Folgen für die Ernährungssicherheit, unter anderem in Pakistan, Indien, Somalia und Kenia. Gunter Rieck Moncayo von der Konrad-Adenauer-Stiftung bezeichnet die Straße von Hormus als zentralen Knoten für die weltweite Ernährung.

In unserem früheren Artikel zur Rolle der Straße von Hormus für den Ölmarkt haben wir erläutert, wie sensibel die Ölnotierungen auf die Eskalation rund um den Iran und schon auf das Risiko einer Blockade reagieren. Außerdem zeigten wir, dass steigende Energiepreise die Inflation in Europa anheizen und damit die Konjunktur- und Wachstumsaussichten zusätzlich belasten können.

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