Israel sagt Kerosinlieferungen für Deutschland zu, Vorräte decken Bedarf laut Ministerium bis zu fünf Monate
Die angespannte Lage am globalen Energiemarkt erhöht vor der Urlaubssaison den Druck auf die deutsche Luftfahrtversorgung. Hintergrund sind der Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus, die Treibstoffpreise an Flughäfen steigen lassen und die Debatte über zusätzliche Importquellen verschärfen.
Höhepunkte
- Israels Außenminister Gideon Sa’ar sichert bei Berlin-Besuch Kerosinlieferungen nach Deutschland aufgrund von Produktionsüberschüssen zu und prüft Hilfe beim Erdgas.
- Laut Bundeswirtschaftsministerium reichen Deutschlands Kerosinvorräte bei eingeschränkten Importen und Eigenproduktion zur Volldeckung des Bedarfs für bis zu fünf Monate.
- 2025 stammen etwa 50 Prozent des in Deutschland genutzten Kerosins aus heimischen Raffinerien, monatlicher Verbrauch liegt bei 650.000 bis 900.000 Tonnen.
Lieferzusage und Versorgungslage
Wie das israelische Außen- und Energieministerium in einer Erklärung mitteilen, sagt Israels Außenminister Gideon Sa’ar bei seinem Besuch in Berlin Kerosinlieferungen nach Deutschland zu. Das israelische Energieministerium verweist dabei auf „Produktionsüberschüsse“, die für den Export verfügbar seien, zudem prüft die Regierung in Tel Aviv Unterstützungsmöglichkeiten beim Erdgas.Eine Anfrage an die Bundesregierung bleibt bis Mittwochvormittag unbeantwortet. Aus deutscher Sicht geben Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder nach einer Videoschalte mit der Luftfahrtbranche Ende April zwar Entwarnung, sprechen aber zugleich von einer angespannten Lage, die ein Krisenstab weiter beobachtet.
Druck auf Luftfahrt und Energiepolitik
In einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Grünen-Anfrage heißt es, dass die verfügbaren Mengen unter der Annahme einer anhaltenden Sperrung der Straße von Hormus, bei weiter möglichen, wenn auch eingeschränkten Kerosinimporten und in Kombination mit der Eigenproduktion, einer Volldeckung des deutschen Kerosinbedarfs von bis zu fünf Monaten entsprächen.Nach Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle stammt 2025 etwa die Hälfte des in Deutschland genutzten Kerosins aus heimischen Raffinerien. Einige Anlagen haben ihre Produktion bereits angepasst und den Kerosin-Anteil maximiert, das bestehende Defizit könne damit kurzfristig aber nicht vollständig ausgeglichen werden. Der monatliche Verbrauch liegt je nach Jahreszeit bei 650.000 bis 900.000 Tonnen.
Der Tourismuspolitiker Stefan Schmidt von den Grünen kritisiert die Lage scharf und warnt, die Reserven reichten maximal noch fünf Monate. Er fordert von Reiche einen umgehenden Krisenplan für die Versorgung von Luftfahrt und Reisemarkt.
In unserem früheren Beitrag zu den steigenden Kerosinpreisen haben wir gezeigt, wie der Kostendruck Airlines und Reiseveranstalter trifft, während Tui, Alltours und Dertour bereits gebuchte Pauschalreisen zunächst nicht nachträglich verteuern. Zugleich wurde erläutert, dass bei neuen Buchungen spätere Preisanpassungen möglich bleiben, falls das hohe Preisniveau anhält, und dass die Anbieter bei möglichen Engpässen proaktiv auf Flugplanänderungen reagieren wollen. Damit liefert der Artikel den Hintergrund, warum die aktuelle Diskussion über Lieferzusagen und die Versorgungslage für die Luftfahrt so sensibel ist.
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