Brent fällt auf Vorkriegsniveau, da Angebot aus dem Nahen Osten zurückkehrt
Brent-Rohöl hat seine kriegsbedingten Gewinne wieder abgegeben, da Tanker nach Fortschritten bei den Friedensgesprächen zwischen den USA und dem Iran die Straße von Hormus wieder freier passieren können. Dieser Umschwung hat die Stimmung am Ölmarkt rasch von Versorgungsängsten hin zu Sorgen über ein Überangebot verändert.
Höhepunkte
- Brent hat alle kriegsbedingten Gewinne durch erhöhtes Hormuz-Verkehrsaufkommen eingebüßt.
- Brent fiel kurzzeitig unter 72,48 $, den Schlussstand vor dem Krieg.
- Mehr Ölangebote aus dem Nahen Osten und Afrika setzten die Preise unter Druck.
- Irans Warnungen an Reedereien zeigen, dass die Hormuz-Risiken nicht verschwunden sind.
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Hormuz-Flüsse setzen den Markt zurück
Brent-Rohöl fiel die vierte Sitzung in Folge und rutschte kurzzeitig unter 72,48 $ pro Barrel, den Schlussstand vor dem Krieg, bevor es sich auf 73,20 $ erholte. West Texas Intermediate (WTI) sank um 0,19 % auf 69,71 $ pro Barrel. Diese Bewegung markiert eine scharfe Umkehr der Rallye, die auf den Kriegsbeginn folgte, als Befürchtungen über Störungen in der Straße von Hormus die Ölpreise massiv nach oben trieben, wie Bloomberg berichtete. Jüngste Marktberichte zeigten ebenfalls, dass Brent auf das Vorkriegsniveau zurückfiel, da sich der Verkehr durch die Straße von Hormus verbesserte.
Die Erholung der Flüsse hat den physischen Ölhandel verändert. Käufer sehen nun mehr Angebote aus dem Nahen Osten und Afrika, wodurch mehrere Marktsegmente plötzlich gut versorgt sind. Der Prompt-Spread von Brent drehte am Mittwoch zum ersten Mal seit Kriegsbeginn in den Contango – ein bärisches Signal dafür, dass das kurzfristige Angebot nicht mehr knapp ist.
Carolyn Kissane vom Center for Global Affairs der New York University bezeichnete die Umkehr als bemerkenswert und sagte, der Markt habe sich schnell von der Einpreisung von Konfliktrisiken zur Einpreisung von mehr Angebot und schwächerer Nachfrage bewegt.
Friedensgespräche lindern Ängste, aber Risiken bleiben
Die USA und der Iran haben beide Fortschritte nach ersten Gesprächen signalisiert, obwohl ihre öffentlichen Darstellungen nicht immer übereinstimmten. Weitere Verhandlungen über die Atompolitik und einen Waffenstillstand im Libanon werden als schwierig erwartet.
Dennoch reichte der frühe Optimismus aus, um das Verhalten der Tanker zu ändern. Mehr Schiffe durchqueren Hormus mit eingeschalteten Satellitensignalen – ein Zeichen dafür, dass Reedereien sich wieder wohler fühlen, die Route offen zu nutzen.
Die Ruhe ist nicht vollständig. Die Islamische Revolutionsgarde des Iran warnte Reedereien, dass jede neue Transitroute durch Hormus ohne Abstimmung mit Teheran inakzeptabel und gefährlich sei. Die Warnung zeigt, dass Teheran auch nach der Absichtserklärung mit Washington die Kontrolle über die Wasserstraße behalten will.
Trump hat zudem Gebühren zu einer roten Linie in den Verhandlungen gemacht und erklärt, die USA würden ein endgültiges Abkommen ablehnen, falls Gebühren für Schiffe erhoben würden, die die Meerenge passieren.
Der Angebotsschock hat sich gedreht
Die wichtigere Marktbotschaft ist, dass die Kriegs-Prämie schneller als erwartet kollabiert ist. Händler konzentrieren sich nicht mehr nur darauf, was verloren gehen könnte, falls Hormus geschlossen wird. Sie haben es nun mit Fässern zu tun, die auf den Markt zurückkehren.
Das bedeutet nicht, dass der Ölmarkt wieder völlig normal ist. US-Ausnahmeregelungen für bereits geladenes iranisches Öl könnten das Angebot erhöhen, aber Finanzierungs- und Versicherungsprobleme könnten die Verkäufe einschränken. Auch die Lagerbestände müssen wieder aufgefüllt werden, unter anderem in Cushing, Oklahoma, wo die Bestände auf etwa 19 Millionen Barrel fielen – unter das operative Komfortniveau.
Vorerst ist das Preissignal eindeutig: Die Hormuz-Flüsse sind zurück, Käufer haben mehr Auswahl und Rohöl hat die geopolitische Prämie verloren, die den Handel noch vor wenigen Wochen dominierte.
Zuvor berichteten wir, dass Trump sagt, die Straße von Hormus werde offen und gebührenfrei bleiben.
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