Das US-Erdgas steht kurzfristig weiterhin unter Druck: Der Henry-Hub-Preis bewegt sich angesichts milder Witterung, hoher Lagerbestände und einer schwachen saisonalen Nachfrage um die 2,5–2,8 USD/MMBtu. Im Laufe des letzten Monats ist der Terminkontrakt für den nächsten Monat deutlich von seinen Höchstständen im März zurückgegangen, und der Markt hat sich praktisch in zwei Phasen aufgeteilt: derzeit – Überangebot und schwache Spotpreise; mittelfristig – allmähliche Straffung des Gleichgewichts.
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LNG und KI verändern die Fundamentaldaten
Der wichtigste strukturelle Treiber ist das rasante Wachstum der US-LNG-Exporte. Im Jahr 2026 werden die LNG-Exporte voraussichtlich 16,7 Mrd. Kubikfuß pro Tag (Bcf/d) erreichen und bis 2027 mit der Inbetriebnahme von Plaquemines LNG, Corpus Christi Stage 3 und Golden Pass LNG 18 Bcf/d übersteigen. Gleichzeitig preist der Markt zunehmend eine neue langfristige Nachfragequelle ein – den Energieverbrauch von KI-Rechenzentren. Hyperscale-Projekte werden bereits als eigenständiger Nachfragetreiber für die gasbefeuerte Stromerzeugung angesehen, und die Kombination aus LNG und KI könnte eine neue Preisspanne etablieren, die deutlich über dem Niveau von 2024–2025 liegt.
Geopolitik und die globale LNG-Bilanz
Jüngste Nachrichten zum Iran haben die Spannungen auf den Energiemärkten vorübergehend entschärft: Der Ölpreis gab nach, nachdem Berichte über eine mögliche Deeskalation zwischen den USA und dem Iran bekannt wurden. Für Erdgas bleibt das Hauptrisiko jedoch weiterhin mit möglichen Störungen rund um die Straße von Hormus und den LNG-Transportwegen verbunden. US-Gas kann nicht mehr als reiner Binnenmarkt betrachtet werden: Seine Preisbildung wird zunehmend von der globalen LNG-Bilanz, der Nachfrage in Europa und Asien sowie der geopolitischen Risikoprämie beeinflusst.
Was wird den Markt als Nächstes bestimmen
In den kommenden Wochen wird der Fokus vor allem auf dem Sommerwetter und dem Tempo des Nachfragewachstums bei LNG-Einsatzgasen liegen. Bislang hat ein milder Frühling den Markt in einer engen Bandbreite gehalten, doch sollte der Sommer heiß werden und die LNG-Exporte weiter zunehmen, könnte sich die Bilanz in der zweiten Jahreshälfte deutlich verschärfen. Die optimistische Stimmung wird auch durch die Terminkurve gestützt: Terminkontrakte für 2026–2027 werden deutlich über dem Spotmarkt gehandelt, was die Erwartungen einer stärkeren Nachfrage und einer allmählichen Abkehr von der Ära des billigen Gases widerspiegelt.
Zuvor, insbesondere im Artikel „Erdgas nach Erholung wieder unter Druck“, habe ich darauf hingewiesen, dass ein Ausbruch aus der aktuellen Handelsspanne kurzfristig unwahrscheinlich ist.
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