GMH Gruppe warnt vor Deindustrialisierung und Energiepreisrisiken in Deutschland
Die Debatte über die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland verschärft sich, während energieintensive Unternehmen auf steigenden Kostendruck und wachsende Unsicherheit hinweisen. Die GMH Gruppe sieht dadurch nicht nur Arbeitsplätze in der Stahlindustrie, sondern auch Teile von Lieferketten für Auto-, Energie- und Verteidigungsunternehmen gefährdet.
Höhepunkte
- GMH-Gruppenchefin Anne-Marie Großmann warnt vor einem monatlichen Verlust von etwa 10.000 Industriearbeitsplätzen in Deutschland, der zu irreversiblen Schäden in Wertschöpfungsketten führen könnte.
- Großmann nennt extrem schwankende Energiepreise von minus 200 Euro bis über 400 Euro pro Megawattstunde als Hauptproblem für die Planungssicherheit der GMH Gruppe, die jährlich so viel Strom wie eine mittelgroße Stadt verbraucht.
- Sie kritisiert politisch mitverursachte Rahmenbedingungen und warnt, dass wachsender Frust bei Beschäftigten etablierte Parteien schwäche und unter anderem hohe AfD-Anteile in betroffenen Industrieregionen fördere.
Warnung vor Belastungen für die Industrie
Wie BILD.de berichtet, warnt GMH-Gruppenchefin Anne-Marie Großmann in einem Podcast vor einem beschleunigten Verlust industrieller Arbeitsplätze in Deutschland. Sie sagt, dass derzeit rund 10.000 Industriearbeitsplätze pro Monat verloren gingen und diese Stellen vielfach nicht zurückkämen.Großmann beschreibt Stahl als Grundprodukt für zahlreiche weiterverarbeitende Betriebe, darunter Zulieferer für die Automobilindustrie, die Energiewirtschaft und die wachsende Verteidigungsindustrie. Wenn die industrielle Basis weiter erodiere, treffe das nach ihrer Einschätzung nicht nur einzelne Werke, sondern ganze Wertschöpfungsketten.
Die Managerin betont zudem, dass es sich bei vielen betroffenen Stellen um gut bezahlte und anspruchsvolle Fachjobs handle. Der Verlust solcher Tätigkeiten verschlechtere die Perspektiven für Beschäftigte, deren Qualifikation oft über Jahre aufgebaut werde, etwa in Schmelz- oder Schmiedebetrieben.
Energiepreise und politische Folgen
Als zentrales Problem nennt Großmann nach eigenen Angaben die hohen und unberechenbaren Energiepreise. Das Unternehmen verbrauche pro Jahr etwa so viel Strom wie eine mittelgroße Stadt, während starke Preisschwankungen an den Strommärkten die Planung erschwerten.Sie verweist auf Ausschläge von minus 200 Euro bis über 400 Euro pro Megawattstunde an aufeinanderfolgenden Tagen und bezeichnet diese Lage als völlig unvorhersehbar. Aus ihrer Sicht bedrohen politisch mitverursachte Rahmenbedingungen die Arbeitsplätze vieler Beschäftigter zusätzlich.
Großmann sagt außerdem, der Frust unter Arbeitnehmern wachse, weil viele sich von der Politik nicht ausreichend unterstützt fühlten. Mit Blick auf hohe AfD-Anteile in Wahlkreisen einiger Standorte der GMH Gruppe äußert sie Sorge darüber, dass etablierte Parteien Beschäftigte in industriellen Kernregionen zunehmend nicht mehr erreichten.
In unserem früheren Beitrag über den offenen Brief des Bäckerunternehmers Bernd Kütscher an Finanzminister Lars Klingbeil ging es um scharfe Kritik an Steuerlast, zusätzlichen Schulden und staatlichen Ausgabenprioritäten. Kütscher warnte vor sinkender Wettbewerbsfähigkeit, wachsender Bürokratie und Stellenabbau, während das Ministerium auf bereits angestoßene Maßnahmen wie Entlastungen bei Energiekosten, Investitionsanreize und Bürokratieabbau verwies.
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