Bundestagsgutachten sieht Rechtsrisiko bei Pistorius' Wehrpflichtregel

Bundestagsgutachten sieht Rechtsrisiko bei Pistorius' Wehrpflichtregel
Rechtsrisiko Wehrpflichtregel

Die Debatte um den neuen Wehrdienst verschärft sich, weil eine zentrale Übergangsregelung des Verteidigungsministeriums rechtlich angreifbar sein soll. Im Mittelpunkt steht die ausgesetzte Abmeldepflicht für Männer zwischen 18 und 45 Jahren, die laut dem vorliegenden Gutachten nicht per Ministerium faktisch außer Kraft gesetzt werden darf.

Höhepunkte

  • Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages sieht eine Kompetenzüberschreitung des Verteidigungsministeriums bei der Aussetzung der Ausreise-Abmeldepflicht durch Allgemeinverfügung.
  • Die Allgemeinverfügung des Ministeriums entbindet sämtliche betroffenen Männer von der gesetzlichen Abmeldepflicht, was laut Gutachten einen rechtlichen Dauerzustand ohne gesetzliche Grundlage erzeugt.
  • Politischer Druck auf Verteidigungsminister Boris Pistorius wächst, da das Gutachten schwere handwerkliche und rechtliche Mängel sowie juristische und politische Risiken für die Wehrpflichtdebatte betont.

Gutachten stellt Aussetzung der Abmeldepflicht infrage

Wie das ARD-Hauptstadtstudio berichtet, kommt ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages zu dem Schluss, dass das Verteidigungsministerium mit seiner Allgemeinverfügung seine Kompetenzen überschreitet.

Nach der mit dem „Neuen Wehrdienst“ wieder aktivierten Vorschrift benötigen betroffene Männer eine Genehmigung ihres Bundeswehr-Karrierecenters, wenn sie Deutschland länger als drei Monate verlassen wollen. Nach heftiger Kritik hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius erklärt, dass die Regel im Alltag nicht angewendet werde, solange kein Ernstfall eintritt. Kurz darauf setzte das Ministerium die Vorschrift per Allgemeinverfügung außer Kraft.

Dem Gutachten zufolge darf das Ministerium zwar Ausnahmen festlegen, jedoch keine gesetzliche Regelung vollständig leerlaufen lassen. Der Wissenschaftliche Dienst bewertet dies demnach als Überschreitung exekutiver Befugnisse, weil allein das Bundesverfassungsgericht ein Gesetz oder Teile davon aufheben darf.

Politischer Druck auf das Verteidigungsministerium wächst

Besonders kritisch sehen die Gutachter nach den vorliegenden Angaben, dass die Allgemeinverfügung sämtliche betroffenen Männer von der Abmeldepflicht ausnimmt. Damit verbleibt praktisch kein Personenkreis mehr, auf den die gesetzliche Regelung noch Anwendung findet, was in dem Papier als rechtlicher Dauerzustand beschrieben wird.

Zusätzlichen politischen Druck macht die Kritik der Linksfraktion. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Desiree Becker wertet das Gutachten als weiteren Hinweis auf schwere handwerkliche und rechtliche Mängel im Vorgehen des Ministeriums.

Für die Diskussion um die Wehrpflicht erhöht der Vorgang das Risiko weiterer juristischer und politischer Auseinandersetzungen. Zugleich rückt die Frage stärker in den Vordergrund, wie weit die Regierung bei der praktischen Umsetzung eines formal geltenden Gesetzes überhaupt gehen darf.

In unserem früheren Artikel über die zunehmende Krise der FDP haben wir dargelegt, wie Programmunschärfe, sinkende Glaubwürdigkeit und interne Konflikte die Handlungsfähigkeit der Partei belasten. Zudem wurde beschrieben, dass die Debatten um Steuern, Bürokratie und Rente sowie der Streit um Führung und strategische Ausrichtung den politischen Druck auf die Liberalen weiter erhöhen.

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