Jobcenter Bremen beruft Geschäftsführer nach Vorwürfen zu Ausgaben und Budgetkontrolle ab

Jobcenter Bremen beruft Geschäftsführer nach Vorwürfen zu Ausgaben und Budgetkontrolle ab
Bremen Jobcenter Krise

Im Bremer Jobcenter verschärft sich die Führungskrise in einer Phase anhaltender Debatten über Ausgaben und interne Abläufe. Die Abberufung von Geschäftsführer Thorsten Spinn steht dabei nach den vorliegenden Informationen nicht im Zusammenhang mit dem Fall des gekündigten Mitarbeiters Fred Göcken.

Höhepunkte

  • Die Bremer Senatsverwaltung entlässt Jobcenter-Chef Thorsten Spinn nach Vorwürfen intransparenter Ausgaben, darunter ein 'Kreativraum' mit bis zu 900.000 Euro Kosten.
  • Für das Frauenförderungsprojekt 'Frida' am Hauptsitz Bremen wurden 293.000 Euro ausgegeben, obwohl die Trägerversammlung nur rund 100.000 Euro genehmigt hatte.
  • Jobcenter Bremen hatte 2024 das Eingliederungsbudget fast vollständig aufgebraucht und mit Sondergenehmigung bereits Mittel aus dem 2025er Haushalt genutzt.

Vorwürfe zu Projektausgaben und internen Budgets

Wie BILD berichtet, wird Thorsten Spinn als Geschäftsführer des Jobcenters Bremen von der Bremer Senatsverwaltung abberufen. Spinn ist demnach kein Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit, sondern bei der Kommune angestellt; wie seine weitere Verwendung aussieht, bleibt bislang offen.

Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht ein 2024 eingerichteter "Kreativraum" am Hauptsitz in der Utbremer Straße. Der 98 Quadratmeter große Bereich dient internen Workshops, Schulungen und teamübergreifenden Formaten, zur Ausstattung gehören auch ein Küchenbereich und Sitzmöbel des Herstellers Vitra.

Nach außen hatte das Jobcenter die Kosten zunächst mit 600.000 Euro angegeben. Der Weser-Kurier berichtete jedoch, dass der Raum tatsächlich rund 900.000 Euro gekostet haben soll und die Trägerversammlung darüber offenbar nicht informiert worden sei; finanziert worden seien die Ausgaben aus dem allgemeinen Verwaltungsbudget, das zu knapp 84 Prozent aus Mitteln der Bundesagentur für Arbeit stammt.

Zusätzlich soll laut dem Bericht am Hauptsitz ein Bereich für das Frauenförderungsprojekt "Frida" eingerichtet worden sein. Dafür seien 293.000 Euro angefallen, obwohl die Trägerversammlung demnach nur knapp 100.000 Euro bewilligt hatte.

Druck auf die Behörde nimmt weiter zu

Die Personalentscheidung trifft das Jobcenter Bremen in einer bereits angespannten Lage. Schon 2024 war bekannt geworden, dass die Behörde einen großen Teil ihres Eingliederungsbudgets für die Förderung von Arbeitssuchenden nahezu vollständig aufgebraucht hatte.

Damals griff das Jobcenter mit einer Sondererlaubnis des Bundesarbeitsministeriums bereits auf Haushaltsmittel für 2025 zu. Die neuen Vorwürfe zu Verwaltungs- und Projektkosten dürften deshalb die Debatte über Kontrolle, Mittelverwendung und Aufsicht in der Bremer Arbeitsmarktverwaltung weiter verschärfen.

Parallel dazu sorgt der Fall des gekündigten Mitarbeiters Fred Göcken weiter für Unruhe. Er hatte öffentlich Missstände beim Bürgergeld thematisiert, während Bremens Arbeitssenatorin Claudia Schilling ihm vorwarf, die Realität zu verzerren; inzwischen melden sich nach Angaben des Berichts weitere aktuelle und frühere Beschäftigte mit ähnlichen Schilderungen.

In unserem früheren Beitrag zur Enquete-Kommission des Bundestags zur Aufarbeitung der Corona-Pandemie haben wir die wirtschaftlichen und sozialen Folgen für Arbeitswelt, Familien und Pflege beleuchtet. Dabei ging es unter anderem um hohe Wertschöpfungsverluste, die Stabilisierung durch Kurzarbeit sowie strukturelle Belastungen und Benachteiligungen, etwa bei Care-Arbeit und sozialer Absicherung. Die Kommission will daraus Empfehlungen ableiten, um Krisenvorsorge und Resilienz künftig zu verbessern.

Dieses Material kann Meinungen Dritter enthalten, keine der Daten und Informationen auf dieser Webseite stellt eine Anlageberatung gemäß unserem Haftungsausschluss dar. Obwohl wir uns an strikte redaktionelle Integrität halten, kann dieser Beitrag Verweise auf Produkte unserer Partner enthalten.