Deutsche Stromnetzbetreiber drängen auf Änderungen beim Netzausbaugesetz
Im Bundestag wächst die Debatte über den künftigen Ausbau des deutschen Höchstspannungsnetzes und die Frage, ob Freileitungen aus Kostengründen Vorrang vor Erdverkabelung erhalten sollen. Netzbetreiber warnen dabei, dass Ausnahmen für Teilabschnitte mit Erdkabeln Genehmigungen verzögern, Projekte verteuern und den Ausbau um Jahre bremsen könnten.
Höhepunkte
- Netzbetreiber wie Amprion und TransnetBW kritisieren beim neuen Bundesbedarfsplangesetz die teuren und risikobehafteten Ausnahmeregelungen zur Erdverkabelung, die zusätzliche Prüfungen erfordern.
- TransnetBW erwartet durch Wechsel zwischen Freileitung und Erdverkabelung bis zu zwei Jahre Bauverzögerung und Mehrkosten von rund 70 Millionen Euro je Abschnitt.
- Der Gesetzentwurf plant die Erweiterung des Bundesbedarfsplans um 45 Projekte und Änderungen bei 13 Projekten, lässt aber laut Experten die Eigentums- und Renditefrage offen.
Streit um Ausnahmen bei der Erdverkabelung
Wie der Deutsche Bundestag berichtet, sprechen sich Stromnetzbetreiber in einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Wirtschaft und Energie für Änderungen am Zweiten Gesetz zur Änderung des Bundesbedarfsplangesetzes aus. Im Mittelpunkt steht die vorgesehene Priorität für Freileitungen beim Leitungsbau, während Ausnahmen für Erdverkabelung in Teilabschnitten nach Ansicht mehrerer Unternehmen neue Risiken schaffen.Guido Hermeier von Amprion verweist auf problematische Wechsel zwischen Erdverkabelung und Freileitungen im Höchstspannungsnetz. Solche Mischformen führten voraussichtlich zu zusätzlichen Prüfungen und Genehmigungsrisiken, weil bei mehrfachen Wechseln in räumlicher Nähe erhebliche Diskussionen mit Behörden und Öffentlichkeit entstünden.
Werner Götz von TransnetBW bezeichnet den Gesetzentwurf insgesamt als hochakzeptabel, sieht die Ausnahmeregelung aber kritisch. Er warnt, dass sich Bauprojekte dadurch um bis zu zwei Jahre verschieben könnten, während jeder Wechsel von Freileitung zu Erdverkabelung nach seinen Angaben rund 70 Millionen Euro koste und Flächen im Umfang von zwei Fußballfeldern für technische Anlagen benötige.
Auch Andreas Feicht von RheinEnergie hält Erdkabel für deutlich teurer als Freileitungen, sowohl beim Bau als auch im Betrieb. Zudem hätten sich frühere Erwartungen, wonach Erdkabel auf größere Akzeptanz stoßen, aus seiner Sicht nicht bestätigt.
Auswirkungen auf Ausbau, Kosten und Eigentumsfragen
Christoph Riese von GÖRG verweist dagegen auf einen Vergleich, wonach ein Wechsel von geplanter Erdverkabelung zu Freileitungen die Inbetriebnahme in zwei untersuchten Projekten um vier bis sieben Jahre verzögern würde. Bei bereits weitgehend durchgeplanten Erdkabeln müssten für Freileitungen neue Verfahren gestartet werden, zudem sieht er Akzeptanzprobleme wegen Eingriffen in das Landschaftsbild.Silke Weyberg vom Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen warnt ebenfalls vor Umplanungen laufender Vorhaben. Ein Umschwenken von begonnenen Erdkabelplanungen auf Freileitungen führe nach ihrer Einschätzung zu Unsicherheiten, Verzögerungen und höheren Kosten, allein in Niedersachsen seien rund 30 Projekte betroffen.
Patrick Kaczmarczyk vom Kompetenzzentrum für Transformation der Universität Mannheim lenkt den Blick auf die Finanzierung des Netzausbaus. Er sagt, der Gesetzentwurf treffe zwar Vorkehrungen für einen bedarfsgerechten und beschleunigten Ausbau, lasse aber die Eigentums- und Renditefrage offen, obwohl diese für die Höhe der Netzentgelte entscheidend sei.
Der Gesetzentwurf der Bundesregierung zielt darauf, das deutsche Stromübertragungsnetz auf Höchstspannungsebene schneller, bedarfsgerechter und kosteneffizienter auszubauen. Vorgesehen ist die Aufnahme von 45 weiteren Vorhaben in den Bundesbedarfsplan, Änderungen bei 13 Netzausbauprojekten sowie die Feststellung des vordringlichen Bedarfs für 58 Vorhaben.
In unserer früheren Analyse zur E.ON-SE-Aktie haben wir die kurzfristige technische Lage des Versorgers beleuchtet, der trotz moderater Tagesgewinne unter wichtigen kurz- und mittelfristigen gleitenden Durchschnitten notierte. Dabei standen der anhaltende Verkaufsdruck, zentrale Widerstands- und Unterstützungszonen sowie die begrenzten kurzfristigen Aufwärtschancen im Fokus.
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