Deutschlands Steuerfahndung kämpft mit IT-Lücken und Personalmangel gegen Milliardenverluste

Deutschlands Steuerfahndung kämpft mit IT-Lücken und Personalmangel gegen Milliardenverluste
Milliardenverlust durch Lücken

Deutschlands Steuerverwaltung verliert nach Angaben der Deutschen Steuer-Gewerkschaft jedes Jahr rund 100 Milliarden Euro durch Steuerbetrug. Eine Befragung von mehr als 9.000 Beschäftigten zeigt zugleich erhebliche Defizite bei Datenzugriff, digitaler Ausstattung und Bürokratieabbau.

Höhepunkte

  • 98 Prozent der Steuerprüfer in Deutschland haben laut DSTG-Studie keinen vollen Zugriff auf wichtige Daten und 91 Prozent fühlen sich digital schlecht ausgestattet.
  • Die DSTG schätzt den jährlichen Schaden durch Bargeldbetrug in Gastronomie, Spätis und Nagelstudios auf 15 bis 20 Milliarden Euro plus weitere Milliarden durch Krypto-Geldwäsche.
  • Umsatzsteuerkarusselle verursachen dem Staat seit über 20 Jahren jährlich rund 15 bis 20 Milliarden Euro Verlust und übertreffen laut DSTG sogar den Cum-Ex-Skandal.

Studie zeigt operative Schwächen der Steuerfahndung

Wie zuerst von BILD unter Berufung auf eine Studie der Deutschen Steuer-Gewerkschaft berichtet wird, sehen sich Finanzfahnder in Deutschland durch fehlende Technik, zu wenig Personal und rechtliche Hürden ausgebremst. Die DSTG erklärt, 98 Prozent der Steuerprüfer hätten keinen vollen Zugriff auf wichtige Daten, während sich 91 Prozent digital schlecht ausgestattet fühlten, weil unter anderem KI und passende Software fehlten.

Die Untersuchung stützt sich zudem auf Interviews mit 1.022 Bürgern. Dabei geben 75 Prozent der Steuerzahler an, das derzeitige Vorgehen der Steuerfahnder für ineffektiv zu halten.

DSTG-Chef Florian Köbler sagt, ehrliche Steuerzahler fühlten sich zu Recht benachteiligt, wenn der Staat milliardenschwere Steuertricks nicht wirksam unterbinde. Nach Darstellung der Gewerkschaft fehlt es den Behörden an Systemen zur Bündelung und Auswertung von Daten, während Kriminelle technologisch schneller vorankommen.

Milliardenschäden belasten Staat und Kontrollsystem

Zu den größten Betrugsfeldern zählt die Gewerkschaft Bargeldbetrug in Gastronomie, Spätis und Nagelstudios, durch den laut DSTG jährlich 15 bis 20 Milliarden Euro verloren gehen. Hinzu kommt ein weiterer zweistelliger Milliardenbetrag durch die Verschleierung von Geld mit Kryptowährungen, insbesondere im Umfeld organisierter Geldwäsche.

Als größter Posten gelten nach Angaben der DSTG Umsatzsteuerkarusselle. Dieses Muster kostet den Staat demnach seit mehr als 20 Jahren rund 15 bis 20 Milliarden Euro pro Jahr und übertrifft damit nach Einschätzung der Gewerkschaft sogar die Dimension des Cum-Ex-Skandals.

Zusätzlichen Druck erzeugen strenge Datenschutzvorgaben, marode technische Infrastruktur und unbesetzte Stellen in den Behörden. Köbler warnt, Finanzkriminelle arbeiteten mit KI, während der Staat vielfach noch mit Aktenordnern arbeite, was den Kampf gegen Steuerbetrug weiter erschwere.

In unserem früheren Beitrag zum rechtskräftigen Abschluss eines zentralen Cum-Ex-Strafverfahrens haben wir berichtet, dass der Bundesgerichtshof die Bewährungsstrafe gegen einen Kronzeugen bestätigte und zugleich die Einziehung von rund 23,5 Millionen Euro anordnete. Das Verfahren zeigte, wie groß die Steuerschäden im Cum-Ex-Komplex ausfallen können und welche Rolle umfassende Aufklärungshilfe bei der Strafzumessung spielt.

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