Schwarz-rote Koalition diskutiert Mehrwertsteuer-Anhebung zur Schließung von Haushaltslücken

Schwarz-rote Koalition diskutiert Mehrwertsteuer-Anhebung zur Schließung von Haushaltslücken
Mehrwertsteuer-Debatte 2028

Angesichts des stark steigenden Finanzbedarfs im Bundeshaushalt gewinnt in Berlin erneut die Debatte über höhere Steuern an Gewicht. In der schwarz-roten Koalition wird über eine Anhebung der Mehrwertsteuer ab 2028 diskutiert, die nach internen Kalkulationen rund 30 Milliarden Euro einbringen könnte.

Höhepunkte

  • Die Koalition diskutiert, den regulären Mehrwertsteuersatz 2028 von 19 auf 22 Prozent zu erhöhen und den Satz auf Lebensmittel von 7 auf null zu senken.
  • Eine Steuererhöhung würde laut Finanzminister Lars Klingbeil helfen, die für 2028 erwartete Haushaltslücke von über 30 Milliarden Euro zu schließen, bleibt jedoch politisch umstritten.
  • Wirtschaftsexperten wie Veronika Grimm halten eine Mehrwertsteuererhöhung für realistisch zwecks Einnahmesteigerung, warnen aber vor möglichen Belastungen für Geringverdiener und Glaubwürdigkeitsrisiken.

Debatte über Steueroptionen für den Haushalt 2028

Wie zuerst BILD berichtet, wird in der Koalition darüber diskutiert, den regulären Mehrwertsteuersatz 2028 von 19 auf 22 Prozent anzuheben. Zugleich steht demnach im Raum, den ermäßigten Satz auf Lebensmittel von 7 Prozent auf null zu senken, womit sich die von Finanzminister Lars Klingbeil für 2028 auf mehr als 30 Milliarden Euro taxierte Finanzierungslücke ausgleichen ließe.

Offiziell wollen sich Unionspolitiker dazu nicht äußern. Auch Klingbeil legt sich nicht fest, nachdem er in einer Sitzung des Haushaltsausschusses am Montag eine Erhöhung der Mehrwertsteuer bis 2029 nicht ausschließt und laut Teilnehmern sagt, eine Anhebung sei „nicht mein Ziel“.

Aus der SPD-Spitze heißt es, Klingbeil selbst wolle keine höhere Mehrwertsteuer. Zugleich wird der Union vorgeworfen, die Debatte immer wieder anzustoßen, nachdem das Thema bereits im Frühjahr aufgekommen ist.

Politische Kritik und wirtschaftliche Folgen

Die Opposition wertet die Aussagen des Finanzministers als Signal, dass eine Steuererhöhung weiter auf dem Tisch liegt. Der Linken-Haushaltspolitiker Dietmar Bartsch bezeichnet eine Mehrwertsteuererhöhung als Option der Regierung und lehnt sie als sozial ungerecht ab, während AfD-Haushaltspolitiker Julian Schmidt kritisiert, Klingbeil habe eine klare Absage bewusst vermieden.

Aus der Wirtschaft kommt ein gemischtes Bild. Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hält eine höhere Mehrwertsteuer für eine relevante Option, weil sich schon mit einer moderaten Anhebung signifikante Einnahmen erzielen ließen und Deutschland mit 19 Prozent derzeit im europäischen Mittelfeld liege.

Gleichzeitig warnt Grimm vor einer übermäßigen Belastung von Geringverdienern. Auch Stefan Kooths, Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, verweist darauf, dass immer höhere Staatsschulden mittelfristig höhere Einnahmen erfordern, mahnt aber, ein Ausweichen auf höhere Abgaben könne der Glaubwürdigkeit der Regierung schaden.

In unserem früheren Bericht zum geplanten Schuldenanstieg im deutschen Haushalt bis 2030 haben wir erläutert, dass die Bundesregierung eine deutlich höhere Kreditaufnahme vorsieht und damit der finanzpolitische Spielraum enger werden könnte. Im Fokus standen die Risiken für das AAA-Rating und mögliche steigende Refinanzierungskosten, falls Investitionsmittel zu langsam abfließen oder kein zusätzliches Wachstum auslösen. Damit zeigte sich bereits, warum der Druck auf künftige Haushaltsentscheidungen – auch über zusätzliche Einnahmen – zunimmt.

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