Bafin beziffert Belastung aus Cum/Cum- und Cum/Ex-Fällen auf rund 7 Milliarden Euro
Deutschlands Finanzaufsicht legt eine erste Gesamtschau zu den finanziellen Folgen von Cum/Cum- und Cum/Ex-Gestaltungen bei Banken, Versicherern und Wertpapierfirmen vor. Nach bisherigem Auswertungsstand summiert sich die potenzielle Gesamtbelastung auf 7,01 Milliarden Euro, wobei ein erheblicher Teil bereits bezahlt ist und der Rest auf mögliche künftige Belastungen entfällt.
Höhepunkte
- Bafin beziffert die potenzielle Gesamtbelastung aus Cum/Cum- und Cum/Ex-Fällen für Finanzsektorunternehmen auf 7,01 Milliarden Euro.
- 41 Prozent der Belastungen entfallen auf potenzielle künftige Verpflichtungen, wofür Rückstellungen von 638 Millionen Euro (Cum/Cum) und 288 Millionen Euro (Cum/Ex) bestehen.
- Bafin plant tiefergehende Prüfungen einzelner Unternehmen hinsichtlich Governance, Risikomanagement und der Rolle von Führungspersonen, kündigt aber keine akuten Bestandrisiken an.
Abfrage zeigt Umfang der Belastungen
Wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Bafin, mitteilt, haben sich 54 Kreditinstitute, 18 Versicherer und drei Gesellschaften aus dem Wertpapiersektor potenziell an Cum/Cum-Gestaltungen beteiligt. Die daraus resultierenden finanziellen Belastungen dieser Unternehmen belaufen sich nach der bisherigen Auswertung auf insgesamt 4,82 Milliarden Euro.Neben der Beteiligung an Cum/Cum-Gestaltungen und den daraus folgenden Belastungen fragt die Aufsicht auch nach Belastungen aus Cum/Ex-Gestaltungen. Zudem erhebt die Bafin bei beiden Komplexen, ob gegen Führungspersonen der betroffenen Unternehmen steuerstrafrechtliche Ermittlungen laufen.
Insgesamt geben 73 Kreditinstitute, 21 Versicherer und zwölf Gesellschaften aus dem Wertpapiersektor an, von mindestens einem dieser Fragenkomplexe betroffen zu sein. Daraus ergibt sich nach dem bisherigen Stand eine potenzielle finanzielle Gesamtbelastung von 7,01 Milliarden Euro.
Aufsicht prüft Folgen für Governance und Risikomanagement
Nach Angaben der Bafin entfallen 41 Prozent der Gesamtbelastung auf potenzielle künftige Belastungen, 59 Prozent auf bereits geleistete Zahlungen. Für mögliche künftige finanzielle Belastungen aus Cum/Cum-Gestaltungen bilden die Unternehmen Rückstellungen in Höhe von 638 Millionen Euro, für Cum/Ex-Gestaltungen in Höhe von 288 Millionen Euro.Bestandsgefährdet ist nach derzeitigem Stand keines der befragten Unternehmen. Die Finanzaufsicht kündigt jedoch an, die Ergebnisse für die einzelnen Unternehmen noch tiefergehend zu prüfen, wo nötig auch mit Blick auf Governance, Steuerrisikomanagement und die Rolle einzelner Personen.
Die Bafin kann aufsichtliche Maßnahmen ergreifen, wenn sie Zweifel an der Zuverlässigkeit von Geschäftsleiterinnen und Geschäftsleitern, Mitgliedern von Aufsichts- oder Verwaltungsräten oder anderen Inhaberinnen und Inhabern von Schlüsselfunktionen hat. Ob Steuergestaltungen strafbar oder steuerrechtlich zulässig sind, entscheidet allerdings nicht die Aufsicht, sondern die Rechtsprechung.
In unserem früheren Artikel über den Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland im Frühjahr 2026 haben wir die zunehmende Zahl der Insolvenzanträge und die besonders betroffenen Branchen wie Verkehr und Lagerei, Gastgewerbe und Bau beleuchtet. Zudem haben wir gezeigt, dass die Forderungen der Gläubiger trotz höherer Fallzahlen zurückgingen, was auf weniger große Insolvenzen als im Vorjahreszeitraum hindeutet.
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