Bundesregierung erweitert Übertragungsnetzausbau mit 45 neuen Stromvorhaben

Bundesregierung erweitert Übertragungsnetzausbau mit 45 neuen Stromvorhaben
45 neue Stromprojekte

Mit einer Änderung des Bundesbedarfsplangesetzes will die Bundesregierung den Ausbau der Übertragungsnetze bedarfsgerechter und kosteneffizienter vorantreiben. Der Kabinettsbeschluss soll mehr Planungssicherheit schaffen, den sicheren Netzbetrieb stützen und die Anbindung Deutschlands an das europäische Stromnetz über neue Interkonnektoren verbessern.

Höhepunkte

  • Das Bundeskabinett nimmt im Gesetzentwurf von Bundeswirtschaftsministerin Reiche 45 neue Netzausbauprojekte laut Bundesnetzagentur in den Bundesbedarfsplan auf.
  • Die neuen Stromautobahnen, darunter drei internationale Verbindungen und eine Offshore-Leitung, sollen ab März 2026 als Freileitungen statt Erdkabel umgesetzt werden, um Kosten zu senken.
  • Mit den zusätzlichen Interkonnektoren will die Bundesregierung die europäische Netzintegration fördern und Verbraucherkosten durch verringertes Netzengpassmanagement reduzieren.

Gesetzentwurf und Ausbaupläne

Wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mitteilte, hat das Bundeskabinett den Gesetzentwurf von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zur Änderung des Bundesbedarfsplangesetzes beschlossen. Mit der Vorlage werden 45 weitere Netzausbauvorhaben in den Bundesbedarfsplan aufgenommen, deren Notwendigkeit die Bundesnetzagentur im Netzentwicklungsplan Strom 2023–2037/2045 bestätigt hat.

Der Entwurf umfasst 39 Wechselstromvorhaben, drei Verbindungsleitungen zu Nachbarstaaten, zwei Gleichstromvorhaben sowie eine Offshore-Anbindungsleitung. Die grenzüberschreitenden Leitungen sollen Dänemark, Großbritannien und die Schweiz anbinden, zudem sind die Projekte im aktuellen Entwurf der Übertragungsnetzbetreiber von März 2026 enthalten.

Reiche erklärt, mit den neuen Vorhaben werde die Energiewende weiter umgesetzt und zugleich der Grundstein für einen kosteneffizienteren Ausbau der Stromnetze gelegt. Neue Stromautobahnen sollen wieder als Freileitungen realisiert werden, um die Ausbaukosten zu senken.

Folgen für Kosten und Strommarktintegration

Ein wesentlicher Hebel zur Kostensenkung liegt laut Bundesregierung in der Umsetzung neuer Gleichstromvorhaben als Freileitung statt als Erdkabel. Diese Bauweise ist günstiger und soll die Effizienz im gesamten Energiesystem verbessern.

Sobald die Leitungen in Betrieb sind, sollen Verbraucherinnen und Verbraucher durch niedrigere Kosten beim Netzengpassmanagement entlastet werden. Solche Kosten entstehen derzeit beim sogenannten Redispatch, wenn die Einspeisung in Netzengpassgebieten gedrosselt und in anderen Regionen zusätzliche Erzeugung aktiviert wird.

Mit den zusätzlichen Interkonnektoren verfolgt die Bundesregierung außerdem das Ziel, die Einbindung des deutschen Stromnetzes in den europäischen Markt zu stärken. Das soll den sicheren Netzbetrieb unterstützen und die grenzüberschreitende Integration im Stromsektor verbessern.

In unserem früheren Artikel zum Preisdruck im deutschen Energiemarkt durch die Nahost-Krise haben wir erläutert, wie steigende Gasbeschaffungskosten rasch auch die Stromtarife nach oben ziehen. Im Fokus standen höhere Neukundenpreise sowie der Mechanismus der Merit-Order, über den teureres Gas den Strompreis zusätzlich belastet und die Debatte um Versorgungssicherheit und Abhängigkeiten verschärft.

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