Der EUR/USD-Kurs wird derzeit von drei Hauptfaktoren bestimmt: den Erwartungen hinsichtlich der Zinspolitik der Fed und der EZB, den Ölpreisen und der Lage im Nahen Osten sowie der allmählichen Abschwächung der strukturellen Attraktivität des Dollars als eindeutiger „sicherer Hafen“. Während der gestrigen Sitzung testete der Euro vor dem Hintergrund eines schwächeren Dollars den Widerstand bei 1,1790, doch den Bullen gelang es nicht, diesen zu durchbrechen, sodass das Risiko eines Rückgangs in Richtung 1,1720–1,1700 bestehen bleibt.
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Die EZB und das Inflationsregime
Die EZB hat ihren Leitzins nach ihrer Sitzung im April und den darauf folgenden Sitzungen offiziell bei 2,15 % belassen, doch der Ton der Entscheidungsträger ist deutlich restriktiver geworden. Lagarde und mehrere Mitglieder des EZB-Rats wiesen ausdrücklich darauf hin, dass eine Zinserhöhung keine ferne Perspektive mehr, sondern eine reale Option sei. Die Inflation in der Eurozone liegt weiterhin bei rund 3 % im Jahresvergleich, was vor allem auf steigende Energie- und Ölpreise zurückzuführen ist. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bereits im Juni–Juli, sofern sich die Inflation nicht nennenswert verlangsamt.
Zuvor hatte der Markt größtenteils eine weitere Lockerung durch die EZB eingepreist, doch nun werden Szenarien einer Beibehaltung der Zinsen oder sogar einer leichten Anhebung in Betracht gezogen. Dies bietet dem Euro gegenüber dem Dollar zusätzliche fundamentale Unterstützung und macht den Aufwärtstrend des Währungspaares nachhaltiger.
Haltung der Fed und die Rolle des Dollars
Die Fed hält ihren Leitzins nach mehreren aufeinanderfolgenden Sitzungen weiterhin im Bereich von 3,5–3,75 %, wobei sich die FOMC-Prognosen vom März 2026 um diese Werte gruppieren. Der IWF und mehrere Großbanken erwarten in diesem Jahr nur eine Zinssenkung um 25 Basispunkte und betonen, dass ein aggressiverer Lockerungszyklus entweder eine Abschwächung des Arbeitsmarktes oder einen deutlichen Rückgang der Inflation, auch im Energiesektor, erfordern würde.
Gleichzeitig erscheint die US-Wirtschaft widerstandsfähig, ohne jedoch zu überhitzen, während die Inflation erneut durch steigende Ölpreise angeheizt wird. Infolgedessen verliert der Dollar den starken strukturellen Vorteil, den er in den Jahren 2022–2024 hatte. In diesem Umfeld fällt der EUR/USD-Kurs selbst angesichts relativ starker US-Daten nicht, was darauf hindeutet, dass der Markt eine schrittweise und kontrollierte Lockerung durch die Fed erwartet und nicht eine Rückkehr zu einer hawkischen Haltung.
Geopolitik, Öl und Nachfrage
nach sicheren Häfen Der Nahe Osten bleibt einer der wichtigsten Treiber für den EUR/USD-Kurs. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran, die Spannungen rund um die Straße von Hormus und Änderungen in der Zollpolitik halten den Ölpreis nahe seinem Vierjahreshoch, erhöhen den Inflationsdruck und zwingen beide Zentralbanken, Risiken einer Überhitzung zu berücksichtigen. Früher hätte jede geopolitische Eskalation den Euro fast automatisch nach unten gedrückt und den Dollar als primären sicheren Hafen gestützt; nun ist die Reaktion deutlich schwächer. Anleger berücksichtigen zunehmend US-spezifische Risiken (Defizit, Verschuldung, Politik) sowie die relativ hohen EZB-Zinsen, was den Euro mittelfristig attraktiver macht.
Gleichzeitig könnte eine scharfe Eskalation rund um die Straße von Hormus oder eine neue Sanktionsrunde das Währungspaar schnell in eine Phase starker Risikoscheu treiben. In diesem Fall könnte der Dollar erneut als sicherer Hafen dominieren, und der EUR/USD könnte in den Bereich von 1,12–1,14 fallen, sollten sich die Märkte von den Fundamentaldaten weg in Richtung defensiver Positionierung bewegen.
Wie bereits erwähnt, bleibt der EUR/USD in einer engen Handelsspanne, da der Krieg im Iran weiterhin belastet; kurzfristig dürfte das Währungspaar je nach den Entwicklungen im Nahen Osten weiterhin innerhalb einer Spanne gehandelt werden.
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