EU-Regeln zu Umweltwerbung setzen Konsumgüterhersteller vor Verpackungs- und Entsorgungsrisiken
Vor dem Inkrafttreten neuer EU-Vorgaben zur Umweltwerbung wächst in der Konsumgüterbranche die Sorge vor zusätzlichen Kosten und möglichen Warenverlusten im Handel. Betroffen sein könnten nach Darstellung eines Branchenverbands unter anderem Shampoo, Waschmittel, Kaffee, Babynahrung und haltbare Lebensmittel, obwohl die Produkte selbst unverändert verkaufsfähig sind.
Höhepunkte
- Ab dem 27. September 2026 gelten in der EU strengere Vorgaben für Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen auf Verpackungen, inklusive detaillierter Nachweispflicht und Regulierung von Nachhaltigkeitssiegeln.
- Der Markenverband warnt, dass Produkte mit Aussagen wie ‚umweltfreundlich‘ oder ‚klimaneutral‘ ab Herbst 2026 rechtlich angreifbar werden und Betreiber hohe Umstellungs-, Umpack- oder Überklebungskosten für Lagerware tragen könnten.
- In Deutschland verlangen einzelne Handelsketten bereits ab Juni 2026 neue Verpackungen, wodurch Hersteller und Handel vor zusätzliche Entsorgungs- und Logistikkosten sowie Bürokratie gestellt werden.
Neue Vorgaben ab September 2026
Wie BILD unter Berufung auf ein internes Memo des Markenverbands berichtet, stehen die Warnungen im Zusammenhang mit der EU-Richtlinie „Empowering Consumers for the Green Transition“. Ab dem 27. September 2026 gelten europaweit strengere Anforderungen für Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen auf Verpackungen; Unternehmen müssen solche Angaben detaillierter belegen, zudem werden Nachhaltigkeitssiegel stärker reguliert.Nach Einschätzung des Verbands könnten damit Produkte, die bislang rechtmäßig hergestellt und verpackt wurden, ab Herbst 2026 rechtlich angreifbar werden, wenn auf alten Verpackungen Formulierungen wie „umweltfreundlich“ oder „klimaneutral“ stehen. Da viele Waren Monate oder sogar Jahre im Voraus produziert, verpackt und eingelagert werden, sehen Hersteller ein erhebliches Umstellungsrisiko.
Markenverbands-Chef Patrick Kammerer sagt, am Ende könnten vollkommen brauchbare Produkte im Müll landen, nur weil sich die Regeln für die Aufmachung ändern. Als Alternative nennt die Branche das Umpacken oder Überkleben von Waren, was nach ihrer Darstellung mit hohem operativem Aufwand und erheblichen Kosten verbunden ist.
Belastung für Handel und Hersteller
Der Markenverband kritisiert, die EU wolle zwar Verbraucher vor Greenwashing schützen, riskiere aber zugleich mehr Bürokratie und zusätzliche Abfallmengen. Aus Sicht der Branche steht damit ein Zielkonflikt im Raum, weil eine Regelung zur Förderung von Nachhaltigkeit selbst neue Entsorgungs- und Logistikkosten verursachen könnte.Laut dem Bericht hat die EU-Kommission nationale Behörden zwar aufgefordert, die Vorschriften mit Augenmaß durchzusetzen. In Deutschland reicht das nach Darstellung des Verbands jedoch womöglich nicht aus, weil einzelne Handelsketten demnach bereits ab Juni neue Verpackungen verlangen, also noch vor dem eigentlichen Start der strengeren Regeln.
In unserem früheren Beitrag über den Kostendruck im industriellen Mittelstand ging es um stark steigende Energiekosten, wachsende Bürokratie und fehlende Planungssicherheit, die Investitionen am Standort Deutschland bremsen. Anhand des Beispiels eines produzierenden Betriebs wurde gezeigt, wie stark höhere Strompreise und Verwaltungsaufwand die Kalkulation erschweren und die Produktion in Deutschland infrage stellen können. Zudem wurde betont, dass verlässliche Rahmenbedingungen als Schlüssel für Investitionen und stabile Lieferketten gelten.
Neueste Legislation Nachrichten
- Forex
- Crypto