Deutschland prüft Raketenkauf in Israel und der Ukraine nach Stopp von U.S.-Tomahawks
Nach dem Wegfall einer zentralen U.S.-Sicherheitszusage treibt die Bundesregierung ihre Suche nach weitreichenden Waffensystemen voran. Im Fokus stehen kostengünstige Marschflugkörper aus Israel und der Ukraine, während Berlin zugleich mehrere Beschaffungs- und Entwicklungsoptionen parallel verfolgt.
Höhepunkte
- Deutschland prüft nach Trump-Stopp der Tomahawk-Stationierung vier Beschaffungsoptionen, darunter israelische und ukrainische Marschflugkörper ab 2027.
- Die ukrainische FP-5-Flamingo-Rakete mit 3.000 km Reichweite und 500.000 Dollar Stückkosten könnte in Deutschland produziert werden; Exportbeschränkungen sind aber offen.
- Das israelisch-amerikanische Unternehmen Covenant erhält bereits Anfragen zur Produktion des Anthem-Systems in Deutschland und Großbritannien, Systemtest erfolgt im Juni in Israel.
Beschaffungsplan mit mehreren Optionen
Wie POLITICO berichtet, stützt sich die Neuausrichtung auf interne Planungsdokumente aus dem Verteidigungsministerium, nachdem U.S.-Präsident Donald Trump die Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern in Deutschland stoppt. Damit fällt für Berlin nach Darstellung des Berichts eine wichtige Grundlage der bisherigen Abschreckungsplanung weg.Den Unterlagen zufolge verfolgt das Ministerium vier Wege gleichzeitig: den Kauf des U.S.-Systems Typhon mit einer Reichweite von bis zu 2.000 Kilometern und geplanter Einsatzbereitschaft ab 2029, kostengünstige Marschflugkörper aus Israel oder der Ukraine ab 2027, ein gemeinsames britisch-deutsches Projekt für einen leistungsstarken Marschflugkörper ab 2032 sowie ein Hyperschall-System mit Großbritannien ab 2035.
Das Beschaffungsamt hat dem Bericht zufolge bereits eine Anfrage an Covenant geschickt, eine israelisch-amerikanische Raketenfirma, die 2024 gegründet wurde. Das Unternehmen plant Produktionslinien in Deutschland und Großbritannien; sein System Anthem soll noch im Juni in Israel getestet werden, zu dem auch deutsche Ministeriumsbeamte eingeladen sind.
Rüstungsindustrie und Abschreckung im Fokus
Als weiterer Kandidat gilt die ukrainische Firma Fire Point mit dem Marschflugkörper Flamingo vom Typ FP-5. Das System hat laut Bericht eine Reichweite von 3.000 Kilometern, trägt einen Sprengkopf von einer Tonne und ist bereits gegen Ziele in Russland im Einsatz; die Stückkosten liegen demnach bei rund 500.000 Dollar und damit bei etwa einem Fünftel eines Tomahawk.Zusätzlich taucht in den Planungsdokumenten mit BARS ein zweites ukrainisches System auf, eine mittelschwere Kombination aus Rakete und Drohne. Zugleich verweisen die Unterlagen auf Exportbeschränkungen beim Flamingo, die zunächst politisch und rechtlich geklärt werden müssten.
Für die deutsche Industrie könnte das Vorhaben eine stärkere Einbindung in die Produktion solcher Systeme bedeuten. Diehl Defence verhandelt laut Financial Times bereits über eine gemeinsame Fertigung des Flamingo in Deutschland. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums bestätigt gegenüber POLITICO die strategische Stoßrichtung und erklärt, der Ukraine-Krieg habe gezeigt, dass weitreichende Präzisionsschläge für eine glaubhafte Abschreckung unverzichtbar seien; kostengünstige Systeme könnten gegnerische Luftverteidigungen durch Massenangriffe überwinden und sollten so schnell wie möglich verfügbar werden.
Unser früherer Bericht zum BAFA-Exportkontrolltag in Berlin beleuchtete, wie Exportkontrolle angesichts geopolitischer Spannungen zunehmend als sicherheitspolitische und geoökonomische Risikoprüfung verstanden wird. Im Mittelpunkt standen außerdem europäische Rüstungskooperation, resilientere Lieferketten sowie der Ausbau der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie bei fortgesetzter Unterstützung der Ukraine und Sanktionsdruck gegenüber Russland.
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