Deutschland startet Förderprogramm für Büroumbauten zu Wohnungen
Nach Angaben des Bundesbauministeriums soll ab dem 1. Juli ein Förderprogramm für den Umbau leerstehender Gewerbeflächen zu Wohnraum anlaufen. Wie aus den vorab bekannt gewordenen Eckpunkten hervorgeht, stellt die Bundesregierung dafür 300 Millionen Euro aus dem Sondervermögen bereit; der Zuschuss ist nicht rückzahlbar und soll vor Baubeginn beantragt werden.
Höhepunkte
- Deutschland startet ab Juli das Programm 'Gewerbe zu Wohnen' mit bis zu 30.000 Euro Förderung pro Wohnung und maximal 300.000 Euro pro Unternehmen.
- Förderung erfordert Sanierungsprojekte mindestens auf Effizienzhaus 85-Standard und adressiert 10 Millionen Quadratmeter leerstehende Gewerbeimmobilien in den 15 größten Städten.
- Das Programm zielt auf die schnelle Umwandlung von Büro- zu Wohnraum, um dem bundesweiten Defizit von 1,4 Millionen Wohnungen entgegenzuwirken und zugleich zentrale Lagen zu beleben.
Förderkonditionen für Investoren ab Juli
Das Programm "Gewerbe zu Wohnen" soll Investoren, Eigennutzer und weitere Antragsteller beim Umbau beheizter Gebäude oder Gebäudeteile unterstützen, die zum Zeitpunkt der Antragstellung nicht zu Wohnzwecken genutzt werden. Voraussetzung ist, dass durch das Vorhaben mindestens eine neue Wohnung entsteht. Pro Wohnung sind bis zu 30.000 Euro vorgesehen, die Gesamtförderung je Unternehmen ist auf 300.000 Euro begrenzt.
Die Details sollen am Donnerstag im Bundesgesetzblatt veröffentlicht werden. Nach den Angaben aus dem Ministerium ist die Förderung zudem an energetische Vorgaben geknüpft. Demnach muss die Sanierung mindestens das Niveau "Effizienzhaus 85 Erneuerbare Energien" erreichen; ausgenommen sind Baudenkmale und sonstige besonders erhaltenswerte Bausubstanz.
Bauministerin Verena Hubertz bezeichnet Leerstand angesichts des Wohnungsmangels als nicht hinnehmbar. Sie erklärt, die Umnutzung leer stehender Gewerbeimmobilien schaffe nicht nur Wohnraum, sondern stärke auch die Attraktivität der Innenstädte und die Lebensqualität.
Wohnungsmangel trifft auf steigenden Büro-Leerstand
Der Vorstoß zielt auf zwei parallele Entwicklungen im deutschen Immobilienmarkt. Nach Feststellungen des Pestel-Instituts fehlen bundesweit rund 1,4 Millionen Wohnungen. Gleichzeitig stehen vor allem in Großstädten Millionen Quadratmeter Büro- und Gewerbeflächen leer.
Der Zentrale Immobilien Ausschuss bestätigt laut dem Bericht, dass die Büro-Leerstandsquote in allen deutschen Großstädten deutlich steigt. Seit 2020 und 2021 werde ein kontinuierlicher Zuwachs verzeichnet, unter anderem wegen veränderter Arbeitsmodelle wie Homeoffice. Damit wächst das Potenzial für Umnutzungen, auch wenn solche Projekte wegen Bauvorgaben und Wirtschaftlichkeit oft aufwendig bleiben.
Besonders hoch ist der Leerstand den Angaben zufolge in München mit etwa 1,87 Millionen Quadratmetern, vor Berlin mit 1,82 Millionen und Frankfurt am Main mit rund 1,73 Millionen Quadratmetern. In den 15 größten deutschen Städten summiert sich der ungenutzte Bestand demnach auf mehr als 10 Millionen Quadratmeter Gewerbeimmobilien.
Signal für Wohnungsbau und Innenstädte
Mit dem Programm setzt die Bundesregierung auf die schnellere Aktivierung bestehender Gebäude statt auf reinen Neubau. Das kann in angespannten Wohnungsmärkten zusätzliche Kapazitäten schaffen, ohne dass neue Flächen ausgewiesen werden müssen. Zugleich verbindet der Staat die Förderung mit Klimastandards, um die Umnutzung an energieeffiziente Modernisierung zu koppeln.
Für Immobilieninvestoren eröffnet das Modell einen finanziellen Anreiz, leerstehende Büroflächen in ein anderes Nutzungsprofil zu überführen. Für Städte könnte dies helfen, Problemimmobilien zu reduzieren und zentrale Lagen wieder stärker zu beleben. Ob das Programm die Wohnungsnot spürbar lindert, dürfte jedoch auch davon abhängen, wie viele Projekte die baulichen und wirtschaftlichen Anforderungen tatsächlich erfüllen.
Die Maßnahme kommt in einem Marktumfeld, in dem der Druck auf Mieten hoch bleibt und sich der Strukturwandel bei Büroflächen fortsetzt. Damit richtet sich das Programm zugleich an die Wohnungswirtschaft und an Eigentümer von Gewerbeimmobilien, die nach neuen Ertragsmodellen suchen. Die Förderkulisse dürfte deshalb auch als Test gelten, wie groß das tatsächliche Umwandlungspotenzial in deutschen Städten ist.
Wir berichteten zuvor über die Pläne von Bauministerin Verena Hubertz, eine neue Bundeswohnungsbaugesellschaft zu gründen, um den stockenden Wohnungsbau breiter zu stützen. Im Mittelpunkt standen dabei die dafür nötige Grundgesetzänderung sowie laufende Gespräche über ein größeres Reformpaket, das staatlichen Einfluss auf Wohnungsangebot und Finanzierung ausweiten könnte.
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