Berlin plant hochpreisige Anmietung im Umweltministerium-Neubau

Berlin plant hochpreisige Anmietung im Umweltministerium-Neubau
Teures Umweltamt geplant

Der Erweiterungsbau des Bundesumweltministeriums nahe dem Potsdamer Platz entwickelt sich zu einem kostspieligen öffentlichen Immobilienprojekt mit hohen Nachhaltigkeitsstandards. Im Mittelpunkt steht nun eine geplante Vermietung von 102 Büros an das Land Berlin zu mehr als 50 Euro je Quadratmeter kalt, womit ein langfristiger Deal politisch unter Druck gerät.

Höhepunkte

  • Die geplanten Gesamtkosten für den Erweiterungsbau des Umweltministeriums in Berlin betragen mindestens 402 Millionen Euro mit einer jährlichen Kaltmiete von 2,3 Millionen Euro für 3.602 Quadratmeter.
  • Die kalkulierte Miete von 52,60 Euro pro Quadratmeter liegt deutlich über dem Berliner Marktniveau von 35 bis 42 Euro laut Avison Young, bei 8,4 Prozent Leerstand laut Jones Lang LaSalle.
  • Kostentreiber des Projekts sind umfangreiche Nachhaltigkeitsmaßnahmen wie Geothermie, Photovoltaik, Recycling-Beton und Holz, während Kritik an den hohen Mietkosten und Konzepten für Flächennutzung wächst.

Kostenstruktur und Mietkonditionen des Projekts

Wie BILD berichtet, belaufen sich die veranschlagten Gesamtkosten für den Erweiterungsbau des Umweltministeriums auf mindestens 402 Millionen Euro. Der Neubau in Berlin ist für 1.300 Arbeitsplätze ausgelegt, während 102 Büros nach den bisherigen Planungen dem Abgeordnetenhaus zur Verfügung stehen sollen.

In den den Hauptstadtpolitikern vorgelegten Unterlagen liegt die kalkulierte Kaltmiete für 3.602 Quadratmeter bei knapp 2,3 Millionen Euro pro Jahr. Das entspricht monatlich 52,60 Euro pro Quadratmeter ohne Betriebskosten. Der Mietvertrag soll über 30 Jahre laufen, wobei das Umweltministerium die Miete in jedem Fall an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben entrichtet und eine Nutzung durch private Firmen ausgeschlossen ist.

Das Projekt war bereits 2017 von den Hauptstadtfraktionen wegen Platzmangels gebilligt worden, während die FDP stattdessen eine Anmietung am freien Markt bevorzugte. Nach mehrjährigen Verzögerungen ist inzwischen die Baugrube ausgehoben worden, die Entscheidung über die konkrete Anmietung der Abgeordnetenbüros steht nach Angaben aus einer vertraulichen Runde noch bevor.

Marktumfeld und Kritik an den Öko-Standards

Ein von BILD zitierter Immobilienexperte von Avison Young veranschlagt für ein vergleichbares Objekt in Spitzenlage eine Marktmiete von 35 bis 42 Euro pro Quadratmeter. Für die betreffende Fläche ergäbe sich daraus eine Jahresmiete von rund 1,73 Millionen Euro und damit ein deutlich niedrigeres Niveau als bei der geplanten Bundeslösung.

Laut einem im Text genannten aktuellen Büromarktbericht von Jones Lang LaSalle stehen in Berlin derzeit 8,4 Prozent der Büroflächen leer. Das entspricht 1,94 Millionen Quadratmetern sofort verfügbarer Fläche und verstärkt die Frage, warum öffentliche Stellen ein deutlich teureres Modell innerhalb eines Bundesprojekts wählen sollen.

Zu den Kostentreibern zählen die vorgesehenen Nachhaltigkeitsmaßnahmen des Gebäudes. Geplant sind unter anderem mehr als vier Dutzend Bohrungen für Erdwärme bis in 99 Meter Tiefe, Photovoltaik auf dem Dach, Fassadenpaneele, Recycling-Beton, Holz als CO2-Speicher sowie unterschiedlich dimensionierte Fenster mit natürlicher Belüftung. Aus dem politischen Umfeld kommt daher bereits Kritik, vorhandene Parlamentsbüros sollten eher als gemeinsam genutzte Flächen organisiert werden, statt neue Räume zu diesen Konditionen anzumieten.

In unserem früheren Artikel zur Reform des Baugesetzbuchs haben wir über die Pläne der Bundesregierung berichtet, Planungs- und Beteiligungsverfahren im Wohnungsbau zu beschleunigen – unter anderem durch Digitalisierung, verkürzte Fristen und gestraffte Umweltprüfungen. Zugleich gab es im Ausschuss deutliche Kontroversen, etwa über die Streichung kommunaler Vorkaufsrechte und mögliche Abstriche bei Umwelt- und Artenschutz, die von Grünen und Linken kritisch gesehen wurden.

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