Deutschlands Industrie droht Stellenabbau bis 2030

Deutschlands Industrie droht Stellenabbau bis 2030
Industrie vor Jobabbau

Deutschlands Industrie steht vor weiterem Beschäftigungsdruck, weil viele Unternehmen ihre Produktion und Investitionen stärker ins Ausland verlagern. Nach Berechnungen könnten bereits 2026 bis zu 100.000 Industriearbeitsplätze wegfallen, vor allem in der Autoindustrie, im Maschinenbau und am Bau.

Höhepunkte

  • 60 Prozent der befragten Unternehmen planen laut Horváth-Umfrage bis 2030 weiteren Stellenabbau in der deutschen Industrie aufgrund struktureller Veränderungen.
  • Indien und die U.S. stehen als Wachstumsmärkte besonders im Fokus, während in Deutschland nur 16 Prozent der Unternehmen noch Personal aufbauen wollen.
  • Großunternehmen wie Evonik, Boehringer Ingelheim, Siemens Energy und Mercedes-Benz verlagern Milliardeninvestitionen und Stellen in die U.S. und andere Auslandsmärkte.

Umfrage zeigt Verlagerung bis 2030

Wie das Handelsblatt unter Berufung auf eine aktuelle Umfrage der Stuttgarter Beratungsgesellschaft Horváth berichtet, rechnen 60 Prozent der befragten Unternehmen bis 2030 mit einem weiteren Stellenabbau in Deutschland. Die Erhebung unter 1000 Unternehmen zeichnet damit ein Bild wachsender Zurückhaltung am Standort, während die Bundesregierung in den kommenden Tagen über Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft beraten will.

Als Hauptgründe gelten nach den Angaben nicht vorrangig Bürokratie oder Fachkräftemangel, sondern ein grundlegender Wandel des bisherigen Exportmodells. Horváth-Partner Ralf Sauter sagt, das Modell der deutschen Exportnation sei jahrzehntelang erfolgreich gewesen, laufe nun aber aus, weil sich Produktion, Forschung und Entwicklung immer stärker weltweit verteilten.

Hinzu kommen hohe Energiepreise, steigende Arbeitskosten, hohe Steuern und eine schwache Nachfrage. Nur 16 Prozent der befragten Unternehmen wollen in Deutschland überhaupt noch Personal aufbauen, während neue Jobs vor allem in Indien, China, Nordamerika, dem Nahen Osten, Afrika und anderen asiatischen Ländern entstehen sollen.

Investitionen fließen stärker in Wachstumsmärkte

Besonders stark steht Indien im Fokus, wo fast jedes Industrieunternehmen seine Präsenz ausbauen will. Auch die U.S. bleiben trotz Zollpolitik ein wichtiger Investitionsstandort, während Unternehmen ihre internationalen Aufstellungen zunehmend nach dem Prinzip "Local for local" ausrichten.

Die Studie mit dem Titel "Grow without Growing" geht im Schnitt zwar von rund vier Prozent Umsatzwachstum aus, erwartet daraus aber kaum zusätzliche Stellen. Stattdessen setzen die Firmen verstärkt auf Automatisierung und Künstliche Intelligenz, während nach Angaben von Sauter ein großer Teil der Investitionen in Deutschland vor allem der Erhaltung bestehender Anlagen und der Automatisierung dient.

Dass der Trend bereits in der Praxis ankommt, zeigen mehrere große Industrieunternehmen. Evonik streicht weitere 3200 Stellen, Boehringer Ingelheim investiert Milliarden in den U.S. und verzichtet auf Investitionen von bis zu 900 Millionen Euro in Deutschland, Siemens Energy baut seine U.S.-Produktion mit einer Milliarde Dollar aus, und Mercedes-Benz investiert weitere sieben Milliarden Dollar in den U.S.-Standort Alabama.

In unserem früheren Artikel über Volkswagens geplante Großumstrukturierung ging es um den möglichen Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen sowie die Aussicht auf ein Auslaufen der Produktion an mehreren deutschen Standorten. Als Treiber nannten wir den zunehmenden Wettbewerbsdruck, die schwache Profitabilität und die hohen Kosten des Umstiegs auf Elektromobilität – begleitet von erwartbarem Widerstand der Gewerkschaften.

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