Bundesnetzagentur verschärft Qualitätsregulierung für Stromverteilnetze

Bundesnetzagentur verschärft Qualitätsregulierung für Stromverteilnetze
Strengere Regeln für Stromnetze

Mit einer neuen Methodenfestlegung im NEST-Prozess erweitert die Bundesnetzagentur die Qualitätsregulierung für Stromverteilernetzbetreiber um Kennzahlen zur Netzleistungsfähigkeit und Digitalisierung. Die Vorgaben sollen die Transparenz für Branche, Verbraucher und Aufsicht erhöhen und zusätzliche Anreize für eine schnellere Umsetzung der Energiewende schaffen.

Höhepunkte

  • Bundesnetzagentur führt ab sofort jährliche Kennzahlen zu Netzanschlussdauern, Umsetzungsquoten und Digitalisierung für Stromverteilnetzbetreiber ein.
  • Neue Qualitätsregulierung erweitert die brancheninterne Bewertung um Tempo und Qualität der Netzmodernisierung sowie digitale Prozesse, über die Versorgungsausfälle hinaus.
  • Regulatorischer Umbau im Rahmen des NEST-Prozesses basiert auf einem EuGH-Urteil von 2021 und erhöht Transparenz- und Leistungsanforderungen für Netzbetreiber seit Februar 2024.

Neue Kennzahlen für Netzleistung und Digitalisierung

Wie die Bundesnetzagentur mitteilt, veröffentlicht sie ab sofort eine weitere Methodenfestlegung im Rahmen des NEST-Prozesses zur künftigen Qualitätsregulierung von Stromverteilernetzbetreibern. Nach Angaben der Behörde bleibt die bisherige Regelung zur Netzzuverlässigkeit im Grundsatz bestehen, um die hohe Versorgungssicherheit in Deutschland weiter abzusichern.

Neu ist, dass für Stromverteilernetzbetreiber künftig jährlich Kennzahlen ermittelt und veröffentlicht werden, die zeigen sollen, wie schnell und umfassend sie die Energiewende umsetzen und wie weit ihre Digitalisierung fortgeschritten ist. Dazu zählen unter anderem Netzanschlussdauern, Umsetzungsquoten bei Netzanschlüssen sowie Digitalisierungsindizes für jeden einzelnen Netzbetreiber.

Behördenpräsident Klaus Müller erklärt, damit würden Kennzahlen zur Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit der Verteilnetzbetreiber festgelegt. So könnten sich Branche, Verbraucher und Regulierungsbehörden ein deutlich klareres Bild vom Status quo machen, während neben den bisherigen Anreizen zur Senkung von Versorgungsunterbrechungen auch neue Impulse zur Verbesserung der Netzleistungsfähigkeit entstünden.

Regulatorischer Umbau mit Folgen für die Branche

Die Behörde verbindet mit der Neuregelung die Erwartung, dass das Transparenzniveau steigt und mehr Netzbetreiber eine überdurchschnittliche Leistung erreichen. Für die Branche bedeutet das eine breitere regulatorische Bewertung, die sich nicht mehr nur auf Versorgungsausfälle konzentriert, sondern auch Tempo und Umsetzungsqualität beim Netzausbau und bei digitalen Prozessen stärker messbar macht.

Der NEST-Prozess, kurz für „Netze, Effizient, Sicher, Transformiert“, läuft seit Februar 2024 und dient der Neubestimmung der Regeln für Kosten- und Erlösbestimmung. Netzbetreiber, Netznutzer und weitere Interessengruppen konnten dazu Stellung nehmen und an Austauschformaten teilnehmen; zuletzt befassten sich die Länder mit den Entwürfen.

Auslöser für den regulatorischen Umbau ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2021. Danach müssen Vorgaben, die bislang in der Anreizregulierungsverordnung und den Entgeltverordnungen festgelegt waren, unmittelbar von der unabhängigen Regulierungsbehörde getroffen werden; dafür entscheidet bei der Bundesnetzagentur die Große Beschlusskammer Energie über die Inhalte der neuen Festlegungen.

In unserem früheren Beitrag zur Sommerpressekonferenz von Bundeskanzler Friedrich Merz haben wir die Reformagenda der Bundesregierung zusammengefasst, darunter Bürokratieabbau sowie angekündigte Renten- und Pflegereformen und Maßnahmen zur Beschleunigung von Infrastrukturplanung. Zudem ging es um den wirtschaftspolitischen Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit und um europapolitische Akzente wie die Vollendung des EU-Binnenmarkts.

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