AfD in Bayern ringt vor Parteitag um Machtbalance mit Folgen für Bundesvorstand
Vor dem Landesparteitag der AfD in Passau verschärft sich in Bayern der interne Kampf um Einfluss, Ämter und die Aufstellung für den Bundesparteitag Anfang Juli in Erfurt. Im Zentrum steht ein Machtkonflikt zwischen Landeschef Stephan Protschka und dem Bundestagsabgeordneten Reinhard Mixl, der auch die Stellung von Alice Weidel innerhalb der Partei berühren könnte.
Höhepunkte
- Der Machtkampf zwischen Stephan Protschka und Herausforderer Reinhard Mixl beim Bayern-AfD-Parteitag in Passau beeinflusst die Vorbereitung des Bundesparteitags am 4. Juli.
- Ein internes Schreiben mit Drohungen und scharfer Tonlage erhöht die Brisanz des Konflikts und spiegelt die interne Instabilität im bayerischen Landesverband wider.
- Sollte Mixl den Landesvorsitz erringen, könnte Bayern durch Bündnisse mit NRW, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Sachsen den Einfluss auf die Wahl des Bundesvorstands deutlich erhöhen.
Machtkampf vor Passau und Erfurt
BILD.de berichtet, dass der Landesparteitag der Bayern-AfD am Wochenende in Passau weit über die Wahl eines Landesvorsitzenden hinausreicht und als Vorentscheidung für den Bundesparteitag am 4. Juli in Erfurt gilt.Im Mittelpunkt des Konflikts stehen Landeschef Stephan Protschka und sein Bundestagskollege Reinhard Mixl, der Protschka ablösen will. Nach Darstellung aus Parteikreisen sollen größere Teile des Landesvorstands den Herausforderer bereits unterstützen.
Der Konflikt verläuft dabei laut den Schilderungen nicht entlang klassischer Lager zwischen gemäßigten und radikaleren Kräften. Stattdessen prägen persönliche Rivalitäten, gekränkte Eitelkeiten und der Wettbewerb um innerparteilichen Einfluss das Geschehen.
Zusätzliche Brisanz erhält die Auseinandersetzung durch ein Schreiben aus Bayern an die Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla, das dem Bericht zufolge interne Drohungen thematisiert. Darin wird auch eine Chat-Nachricht zitiert, die den verschärften Ton innerhalb des Landesverbands verdeutlichen soll.
Folgen für Weidels Einfluss im Bundesverband
Bislang gilt die Bayern-AfD trotz ihrer knapp 12.000 Mitglieder als organisatorisch stark mit sich selbst beschäftigt und damit als begrenzter Machtfaktor im innerparteilichen Gefüge. Davon profitiert nach Darstellung aus der Partei auch Alice Weidel, deren Landesverband Baden-Württemberg im Süden als deutlich einflussreicher wahrgenommen wird.Weidel unterstützt demnach den bisherigen Landeschef Protschka, was den bisherigen Kräftezustand festschreiben würde. Sollte sich jedoch Mixl durchsetzen und den zerstrittenen Landesverband befrieden, könnte Bayern im Vorfeld des Bundesparteitags an Gewicht gewinnen.
In Parteikreisen wird bereits über mögliche Bündnisse Bayerns mit Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Sachsen spekuliert. Ein solcher Schulterschluss könnte die Wahl des neuen Bundesvorstands stärker öffnen und Delegierten aus bisher weniger dominanten Landesverbänden mehr Einfluss verschaffen.
Damit wird der Parteitag in Passau auch zu einem Test für Weidels Führungsanspruch. Aus einem bislang kalkulierbaren Bundesparteitag könnte eine offenere Machtprobe werden, bei der die Zusammensetzung des künftigen Bundesvorstands weniger eng an der bisherigen Parteilinie ausgerichtet ist.
In unserer früheren Berichterstattung zum Umfrageanstieg der AfD ging es darum, wie der aktuelle Meinungstrend den Druck auf Union und SPD erhöht und bisher als sicher geltende Direktmandate ins Wanken bringen kann. Eine modellbasierte Wahlkreis-Auswertung zeigte, dass sich Parteien strategisch neu ausrichten müssen, weil Ressourcen und Kampagnen stärker auf gefährdete Wahlkreise konzentriert werden dürften.
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