Deutschland ringt mit Rentenreform bis 2030

Deutschland ringt mit Rentenreform bis 2030
Ringen um Rentenreform

Die Debatte um die Finanzierung der gesetzlichen Rente verschärft sich in Deutschland, weil immer weniger Erwerbstätige für immer mehr Ruheständler aufkommen müssen. In diesem Umfeld verlangt der Freiburger Ökonom Bernd Raffelhüschen nach eigenen Angaben einen schnellen Dreipunkteplan mit höherem Rentenalter, niedrigerem Rentenniveau und dem Ende staatlicher Zuschüsse für vorgezogenen Ruhestand.

Höhepunkte

  • Professor Bernd Raffelhüschen fordert eine Anhebung des Rentenalters auf 70 bis 2030, um das Rentensystem nachhaltig zu stabilisieren.
  • Raffelhüschen schlägt vor, das Rentenniveau von aktuell 48 Prozent auf 42 Prozent zu senken, um Beitragssätze bei 18 bis 19 Prozent zu halten.
  • Er fordert zudem das sofortige Ende aller staatlichen Zuschüsse für vorgezogene Renten, da diese jährlich Milliarden kosten und die Rentenkassen zusätzlich belasten.

Forderungen zur Stabilisierung des Rentensystems

BILD berichtet, dass der Freiburger Renten-Experte Professor Bernd Raffelhüschen die bisherige Rentenpolitik scharf kritisiert und tiefgreifende Änderungen bis 2030 verlangt. Er sagt, Deutschland habe es seit den 1990er-Jahren versäumt, das gesetzliche Rentenalter konsequent an die steigende Lebenserwartung anzupassen und liege damit bei Reformen Jahrzehnte zurück.

Zu seinem Sofortplan gehören drei zentrale Punkte. Erstens fordert Raffelhüschen eine Rente mit 70 bis 2030, weil sonst die Babyboomer aus seiner Sicht von einer solchen Reform nicht mehr erfasst würden.

Zweitens will er das Rentenniveau von derzeit 48 Prozent auf 42 Prozent senken. Nach seiner Darstellung ließen sich die Leistungen so nachhaltiger finanzieren und die Beitragssätze für die Einzahler bei 18 bis 19 Prozent stabil halten.

Drittens spricht er sich dafür aus, jede Form der Bezuschussung des vorgezogenen Ruhestands zu beenden. Der Staat gebe dafür Milliarden aus, während die Rentenkasse gleichzeitig unter wachsendem Druck stehe.

Folgen für Beitragszahler und Generationenvertrag

Raffelhüschen verbindet seine Vorschläge mit der Grundthese, dass längere Lebenserwartung auch längere Erwerbszeiten erfordert. Wer die jüngeren Generationen nicht überfordern wolle, dürfe das System nicht dauerhaft über höhere Beiträge und zusätzliche Steuermittel stützen.

Seine Argumentation zielt auf eine stärkere Lastenverteilung zwischen den Generationen. Er bezeichnet es als verursachergerecht, wenn die Jahrgänge, die bald in Rente gehen, einen größeren Teil der Anpassung tragen, statt die finanziellen Folgen an kleinere nachfolgende Generationen weiterzugeben.

Zur Einordnung verweist er darauf, dass heutige Rentner nach seinen Angaben mehr als 20 Jahre Rente beziehen und dafür gut 40 Jahre eingezahlt haben. Früher hätten Ruheständler demnach etwa zehn Jahre Rente erhalten und rund 45 Jahre in das System eingezahlt.

In unserem früheren Artikel zur INSA-Umfrage zur privaten Altersvorsorge haben wir gezeigt, dass 42 Prozent der Befragten gar nicht zusätzlich für die Rente sparen. Außerdem wurde deutlich, wie groß die Skepsis gegenüber längeren Lebensarbeitszeiten ist und wie begrenzt die Zustimmung zu höheren Steuerzuschüssen ausfällt. Das ordnete den wachsenden Reformdruck ein, unter dem die Politik vor weitreichenden Vorschlägen zur Stabilisierung des Rentensystems steht.

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