Bistum Eichstätt räumt Kontrollversagen nach riskanten U.S.-Immobilieninvestments ein

Bistum Eichstätt räumt Kontrollversagen nach riskanten U.S.-Immobilieninvestments ein
Kontrollversagen im Bistum

Vor dem Landgericht München II beschreibt der frühere Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke die internen Abläufe rund um riskante Immobiliengeschäfte in den U.S., bei denen nach Darstellung im Prozess rund 60 Mio. Dollar verloren gehen. In seiner Aussage macht er vor allem strukturelle Defizite in Aufsicht und Kontrolle verantwortlich und spricht von fehlender wirtschaftlicher Expertise innerhalb der Diözese.

Höhepunkte

  • Das Bistum Eichstätt räumt vor Gericht ein, dass interne Kontrollen bei riskanten US-Immobilieninvestments versagt und Richtlinien missachtet wurden.
  • Ein Immobilienentwickler und der ehemalige stellvertretende Finanzdirektor sind wegen Untreue, Bestechung und Vergabe ungesicherter Kredite angeklagt.
  • Nach Entdeckung dauerhaft verlorener Gelder und der Empörung im Bistum trat Bischof Hanke nach über 18 Jahren im Amt 2023 zurück.

Im Zentrum des Prozesses steht laut BILD ein Finanzdebakel des Bistums, das mit Immobiliengeschäften in den U.S. verbunden ist. Angeklagt sind ein Immobilienentwickler wegen Untreue und Bestechung sowie der frühere stellvertretende Finanzdirektor des Bistums. Dem Ex-Manager wird vorgeworfen, ungesicherte Kredite vergeben und dafür Schmiergelder angenommen zu haben. Hanke leitet das Bistum zur Zeit der mutmaßlichen Vorgänge und steht nun als Zeuge Rede und Antwort.

Interne Kontrolle, Zuständigkeiten und Lerneffekte

Hanke sagt vor Gericht, die interne Kontrolle habe versagt und das Aufsichtsgremium sei mit zu vielen Bistums-Mitarbeitern besetzt gewesen. Dem Gremium habe wahrscheinlich die nötige „Tiefensicht“ gefehlt, weil man „keine Wirtschaftsfachleute“ sei und externe Beratung brauche. Nach seinen Worten werden „Hochrisikoanlagen“ getätigt, die nach den geltenden Richtlinien nicht hätten vorgenommen werden dürfen. Er betont, er habe sich um den Rahmen gekümmert, etwa indem er Investments in Rüstungsfirmen und Chemiekonzerne untersagt habe, die Umsetzung aber nachgeordneten Stellen übertragen.

Folgen im Bistum und zeitlicher Kontext

Als Prüfer und Anwälte Ungereimtheiten in den Büchern entdecken, geht Hanke nach eigener Darstellung zunächst von Kommunikationsproblemen aus. Später folgt die Erkenntnis, dass das Geld wohl dauerhaft verloren ist, was ihn nach seinen Worten erschüttert und im Bistum Empörung auslöst. Von den riskanten Anlagen erfahre er erst nachträglich und beschreibt das Kontrollnetz als „zu großmaschig“, zugleich habe er sich damals „sicher aufgehoben“ gefühlt. Nach mehr als 18 Jahren an der Spitze der Diözese tritt Hanke zu Pfingsten des vergangenen Jahres überraschend zurück und nennt sich seither Pater Gregor.

Wir berichteten zuvor über die kritische Zwischenbilanz zum 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen und die Frage, ob die Mittel tatsächlich in zusätzliche Investitionen fließen. In dem Beitrag ging es um Vorwürfe der Zweckverschiebung in den Haushalt, steigende Schulden bei geringen Zusatzinvestitionen sowie Forderungen nach mehr Transparenz und klaren Kriterien für den Mitteleinsatz.

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