Erdgas wird weiterhin von geopolitischen Entwicklungen und LNG-Lieferungen bestimmt
Der weltweite Erdgasmarkt zeigt angesichts der Spannungen rund um den Iran und die Straße von Hormus weiterhin eine hohe Volatilität. Der europäische TTF-Preis stieg zu Beginn der Woche auf 44–45 €/MWh, nachdem Berichte über ins Stocken geratene Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran bekannt wurden, wobei der Aufwärtstrend jedoch durch Daten gedämpft wurde, die einen anhaltenden Transit von LNG-Tankern durch die Straße von Hormus belegten. Der Markt betrachtet die Situation als ernsthaftes Risiko für die weltweite LNG-Versorgung, bislang jedoch ohne tatsächliche Beeinträchtigung der Exporte aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
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Europa bleibt die Hauptursache für die Nervosität
Der europäische Gasmarkt scheint nach wie vor am anfälligsten zu sein. Nach einem kalten Winter liegen die Gasspeicherbestände in der EU weiterhin unter einem komfortablen Niveau, während die Abhängigkeit von LNG hoch ist. Vor diesem Hintergrund wird jede Bedrohung der Lieferungen über den Persischen Golf sofort in den Preisen berücksichtigt. In diesem Frühjahr überschritt der TTF-Preis aufgrund von Befürchtungen über einen Stopp der LNG-Lieferungen aus Katar bereits 60 €/MWh, und die Analysten von Kpler behalten aufgrund von Versorgungsrisiken und zunehmendem Wettbewerb mit Asien um Spot-LNG-Ladungen einen optimistischen Ausblick für den europäischen Gasmarkt bei.
USA: Henry Hub bleibt vorerst relativ stabil
Der US-Markt wirkt deutlich stabiler. Der Henry Hub notiert bei etwa 2,52–2,80 $/MMBtu, gestützt durch eine starke Produktion und komfortable Lagerbestände. Aktuelle EIA-Daten zeigten Lagerbestände, die sowohl über dem Vorjahresniveau als auch über dem Fünfjahresdurchschnitt liegen, was den Preisanstieg trotz der angespannten Lage auf dem globalen Energiemarkt begrenzt. Gleichzeitig wird der mittelfristige Ausblick allmählich positiver: Die USA bauen ihre LNG-Exporte weiter aus, während neue Terminals wie Golden Pass, Plaquemines und Corpus Christi Stage 3 die Verbindung zwischen dem Henry Hub und den globalen Gasmärkten stärken.
Wichtigstes Marktszenario für die kommenden Monate
Der Gasmarkt bewegt sich derzeit zwischen zwei Szenarien. Sollte sich die Lage um Hormuz verschlechtern und der Sommer heiß ausfallen, könnten TTF und der asiatische JKM schnell wieder auf extreme Niveaus steigen, während der Henry Hub aufgrund stärkerer LNG-Exporte über 4–5 $/MMBtu klettern könnte. Sollten die US-Lagerbestände jedoch hoch bleiben, das Wetter mild bleiben und Versorgungsunterbrechungen vermieden werden, könnte der Markt für Henry Hub noch mehrere Monate lang im Bereich von 3 $/MMBtu verharren.
Wie bereits in „Erdgas: Lokale Schwäche vs. strukturelles bullisches Szenario“ hervorgehoben, bleiben die wichtigsten Einflussfaktoren die geopolitische Lage, die wöchentlichen Lagerbestandsberichte der EIA, die LNG-Feedgas-Ströme sowie die Sommerhitze-Prognosen in den USA und Asien.
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