CDU-Wirtschaftsrat fordert Ende der Rente mit 63 und erhöht Druck auf Arbeitsministerium
Im Streit um die Rentenpolitik erhöht der Wirtschaftsrat der CDU den Druck auf Bundesarbeitsminister Alexander Schweitzer und verlangt die Abschaffung der Rente mit 63. Der Verband argumentiert mit Belastungen für Beitragszahler, Nachteilen für bestimmte Versichertengruppen und hohen langfristigen Kosten für die öffentlichen Kassen.
Das Wichtigste
- Wirtschaftsrat der CDU fordert in einem Brandbrief an Minister Schweitzer die Abschaffung der abschlagsfreien Rente mit 63 nach 45 Versicherungsjahren.
- DIW-Studie für die Bertelsmann Stiftung beziffert potenzielle Entlastung der öffentlichen Kassen auf rund 9,5 Milliarden Euro je Rentnerjahrgang durch Abschaffung der Regelung.
- Im Jahr 2025 starten laut Deutscher Rentenversicherung 262.361 Menschen (28 Prozent aller neuen Altersrentner) in die abschlagsfreie Rente mit durchschnittlich 1.677 Euro monatlich.
Vorstoß mit Verweis auf Reformdruck
Wie BILD berichtet, fordert der Wirtschaftsrat der CDU in einem zweiseitigen Brandbrief an Schweitzer die Abschaffung der sogenannten Rente mit 63. Das Schreiben von Generalsekretär Wolfgang Steiger wurde nach diesen Angaben am Mittwoch verschickt, Kopien gingen auch an die Fraktionsspitzen sowie an die rentenpolitischen Sprecher von CDU, CSU und SPD.Steiger verweist in dem Brief auf das Gerechtigkeitsversprechen der SPD und erklärt, Schweitzer habe nun die Möglichkeit, dieses Versprechen einzulösen. Mit einem solchen Schritt könne der Minister nach Darstellung des Wirtschaftsrats auch dem Vorwurf entgegentreten, SPD und Arbeitsministerium stünden für Reformverweigerung.
Die zentrale Forderung des Verbands lautet, die abschlagsfreie Frühverrentung nach 45 Versicherungsjahren zu beenden. Der Wirtschaftsrat bezeichnet die Abschaffung der Regelung als überzeugenden Einstieg in eine umfassendere Rentenreform.
Kosten, Verteilung und Folgen für den Arbeitsmarkt
Zur Begründung nennt der Wirtschaftsrat fünf Punkte. Jüngere Beitragszahler finanzierten den bis zu zwei Jahre früheren Renteneintritt, ärmere Rentner profitierten seltener von der Regelung, Frauen erreichten wegen familienbedingter Erwerbsunterbrechungen seltener 45 Versicherungsjahre, gesundheitlich eingeschränkte Menschen würden benachteiligt und Unternehmen verlören erfahrene Arbeitskräfte.Zur Untermauerung verweist der Verband auf eine DIW-Studie für die Bertelsmann Stiftung. Demnach könnte die Abschaffung der Rente mit 63 die öffentlichen Kassen langfristig um rund 9,5 Milliarden Euro je Rentnerjahrgang entlasten, verteilt über Jahrzehnte.
Zusätzlich führt der Wirtschaftsrat Zahlen der Deutschen Rentenversicherung an. Im Jahr 2025 begannen 262.361 Menschen eine Altersrente für besonders langjährig Versicherte, das waren gut 28 Prozent aller neuen Altersrentner, bei einer durchschnittlichen monatlichen Zahlung von rund 1.677 Euro und damit deutlich mehr als bei den übrigen neuen Altersrentnern.
Neu ist die Forderung des Wirtschaftsrats nicht. Bereits im Juni empfahl die Rentenkommission ausdrücklich die Abschaffung der Regelung, während Schweitzer zuletzt auf den Koalitionsvertrag verwies, der die abschlagsfreie Rente grundsätzlich beibehält; der Minister setzt auf einen Kompromiss.
In unserer früheren Berichterstattung zur geplanten Reform der Unternehmensstatistik ging es um die Neuordnung staatlicher Datenerhebungen und die Frage, wie sich Bürokratieabbau mit einer verlässlichen Datengrundlage vereinbaren lässt. Dabei standen insbesondere die Kritik an der geplanten Streichung von Auftragsbestandsdaten als wichtigem Konjunkturindikator sowie die möglichen Folgen für Mittelstand, Selbstständige und die Bauwirtschaft im Fokus.
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