Washington erhöht den Druck auf Kuba mit Mordvorwurf gegen Raul Castro

Washington erhöht den Druck auf Kuba mit Mordvorwurf gegen Raul Castro
Die USA wollen einen Regimewechsel in Kuba

​Das US-Justizministerium hat am Mittwoch eine Anklage gegen den ehemaligen kubanischen Präsidenten Raul Castro veröffentlicht. Ihm wird Mord im Zusammenhang mit einem Vorfall aus dem Jahr 1996 vorgeworfen, bei dem kubanische Streitkräfte zwei Flugzeuge abgeschossen haben.

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Laut CNBC erfolgte die Entscheidung am 20. Mai – einem symbolisch wichtigen Datum, das als offizieller Geburtstag der Republik Kuba gilt. Dieser Schritt markierte eine der deutlichsten Eskalationen der Spannungen zwischen Washington und Havanna in jüngster Zeit.

FBI-Direktor Kash Patel bezeichnete die Anklage gegen Castro und fünf weitere Personen als „einen wichtigen Schritt in Richtung Rechenschaftspflicht“. Die Maßnahme wurde Teil einer umfassenderen Strategie von Präsident Donald Trump, die auf einen Regimewechsel in Kuba abzielt. Bereits zuvor wurden die Wirtschaftssanktionen verschärft und seit Januar versucht, eine Ölblockade gegen die Insel zu verhängen.

Der Druck hat die Wirtschaftskrise verschärft und Kuba vor die wohl größte Bewährungsprobe seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion gestellt. Der kubanische Energieminister Vicente de la O Levy erklärte letzte Woche, dass der Insel das Öl und der Diesel ausgegangen seien und bezeichnete die Lage als „äußerst angespannt“.

Vor diesem Hintergrund haben einige kubanische Offizielle in den letzten Wochen vor dem Risiko einer möglichen US-Militärintervention gewarnt.

Die Situation wird zusätzlich durch Medienberichte erschwert, wonach Kuba angeblich ein Arsenal an Militärdrohnen aus Russland und dem Iran aufbaut, die potenziell gegen US-Ziele eingesetzt werden könnten. Gleichzeitig führt die Trump-Regierung laut Medienberichten Aufklärungsflüge vor der Küste Kubas durch – ein Muster, das an Szenarien erinnert, die US-Militäroperationen in Venezuela und Iran vorausgingen.

Antoni Kapcia, Professor für lateinamerikanische Geschichte an der Universität Nottingham, äußerte Zweifel daran, dass Washington ernsthaft einen direkten Militäreinsatz gegen Kuba in Erwägung zieht. Seiner Meinung nach hat der kubanische Staat im Gegensatz dazu die militärische Bedrohung durch die USA stets ernst genommen und sich auf ein solches Szenario vorbereitet.

Kapcia wies darauf hin, dass das Pentagon seit Langem davon ausgeht, dass eine Militäroperation gegen Kuba zu untragbar hohen Verlusten unter US-Soldaten führen könnte. Dies erkläre seiner Ansicht nach die Inkonsistenz der US-Politik: von geheimen Verhandlungen bis hin zu Drohungen mit sofortigem Handeln.

Der Experte ergänzte, dass Trump derzeit offen auf die wirtschaftliche Strangulierung des kubanischen Systems setzt. Ein solcher Ansatz sei günstiger als ein Krieg und erschwere das Leben der einfachen Kubaner bereits jetzt zusätzlich.

Wie geht es für Kuba weiter?

Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel wies am Mittwoch die Anklage gegen Raul Castro zurück. In den sozialen Medien bezeichnete er sie als politisches Manöver ohne rechtliche Grundlage und erklärte, Washington nutze solche Schritte, um eine mögliche militärische Aggression gegen Kuba zu rechtfertigen.

Trump hatte zuvor von einer möglichen „freundlichen Übernahme“ Kubas gesprochen und erklärt, das Weiße Haus könne sich nach dem Krieg mit dem Iran auf Havanna konzentrieren. Er behauptete außerdem, er könne mit Kuba machen, was er wolle, und deutete an, dass er die „Ehre“ hätte, „Kuba zu übernehmen“.

Robert Munks, Leiter der Amerika-Analyse bei Verisk Maplecroft, glaubt, dass die genauen Absichten der Trump-Regierung weiterhin unklar bleiben. Seiner Ansicht nach deutet die derzeitige Haltung Washingtons weniger auf eine unmittelbare direkte Intervention hin, sondern vielmehr auf den Versuch, den Druck wirken zu lassen.

Das Hauptrisiko für Kuba, so Munks, sei nicht eine ausländische Intervention, sondern ob der Staat „das Licht lange genug anlassen kann“, um die Kontrolle zu behalten.

Er merkte an, dass die Sicherheitskräfte kurzfristig wohl Unruhen eindämmen können. Weitere Stromausfälle könnten jedoch die Lebensmittel- und Wasserversorgung verschärfen und das Risiko ernsthafter Instabilität erhöhen.

Munks fügte hinzu, dass die sich verschärfende humanitäre Krise ein Unsicherheitsfaktor bleibe, der beide Seiten zu Improvisationen zwingen könnte. Er rechnet mit mehr Hilfe aus Ländern der Region wie Mexiko und Uruguay, betonte jedoch, dass die US-Blockade weiterhin das Alltagsleben der Kubaner prägen werde.

Folgen des Kuba-Konflikts

Die Lage in Kuba dürfte das globale Marktbild nicht direkt verändern, könnte aber die Nervosität der Investoren in Bezug auf geopolitische Risiken erhöhen. Sollte der US-Druck weiter zunehmen, werden die Märkte vor allem auf mögliche Störungen der Treibstoffversorgung, eine Migrationskrise, verschärfte Sanktionen und die Reaktion der Länder der Region achten. Besonders sensibel könnten der Ölmarkt, lateinamerikanische Schwellenländer-Assets sowie Unternehmen aus den Bereichen Logistik, Tourismus und regionaler Handel reagieren.

Für Investoren ist Kuba weniger als eigenständige Wirtschaftskraft relevant, sondern vielmehr als potenzielle Instabilitätsquelle in unmittelbarer Nähe der US-Grenzen. Jegliche Anzeichen militärischer Eskalation oder einer humanitären Krise könnten die Nachfrage nach sicheren Anlagen stützen, die Vorsicht an den Märkten erhöhen und einen Risikoaufschlag auf lateinamerikanische Assets bewirken. Im Basisszenario ist jedoch derzeit nicht von einer sofortigen Militäroperation auszugehen, sondern vielmehr von einer Fortsetzung des wirtschaftlichen Drucks, der die Lage im Land weiter verschärft und Kuba unter den geopolitischen Risiken der Region hält.

Zur Erinnerung: Das US-Außenministerium hat kürzlich die Sanktionen gegen Kuba ausgeweitet.

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